Klaus Mylius

Übersicht über das altindische Opferritual

(Zur weiteren Erläuterung der Begriffe siehe Klaus Mylius, Wörterbuch des altindischen Rituals, Wichtrach 1995.)


Da die Srauta['srauta]-Literatur wesentlich umfangreicher und kulturgeschichtlich bedeutsamer ist als die Grhya-Literatur, beschränkt sich die folgende Übersicht auf die Srauta-Opfer. Dies ist auch dadurch gerechtfertigt, dass das Grhya[g.rhya]-Ritual relativ einfach strukturiert und demgemäss unschwer zu überschauen ist.[1]
Ferner ist hier nicht der Ort zur Untersuchung der philosophischen [2] und sozialgeschichtlichen Fundamente bzw. Hintergründe des altindischen Rituals. Hier soll vielmehr versucht werden, eine kurze Einführung in die konkreten Gegebenheiten und die Klassifikation dieses so überaus komplizierten Rituals zu geben.
Die hierbei auftretenden Schwierigkeiten resultieren in der Hauptsache aus zwei Gründen: einmal enthält die Primärquellenliteratur eine geradezu unübersehbare Fülle oft minutiöser Details, was die Unterscheidung von wichtigen und weniger bedeutsamen Zügen des Rituals sehr erschwert; zum anderen behandeln die vedischen Schulen jeweils vorwiegend die Aufgaben eines bestimmten Hauptpriesters und seiner Gehilfen, so dass es nur sehr schwer möglich ist, zu einer Synopsis der verschiedenen Riten zu gelangen.


Bestandteile des Opfers
Die Bestandteile des Opfers sind rc[.rc]-Verse, yajus-Formeln und Opfergaben (SB I, 9, 1, 3. 3, 8). Zur Durchführung bedarf es ausserdem verschiedener Opfergeräte. Diese sind: Stössel (musala) und Mörser (ul-ukhala), Sieb, diverse Löffel und Schüsseln, Holzspachtel (sphya), Presssteine (gr-avan) und ein schwarzes Antilopenfell (SB I, 1, 1, 22).


Einteilung des Opfers
Die Einteilung der Opfer erfolgt gewöhnlich in haviryajna [haviryajña], pasubandha [pa'subandha] und die saumya adhvara, also in havis-Opfer, Tieropfer und Somalibationen (KS VIII, 1; XXII, 2; PB XVII, 13, 18; SB I, 7, 2, 10; II, 2, 2, 1; IV, 3, 4, 1; X, 1, 5, 2–3. 4, 3, 4).
Eine weitere Einteilung ist nach der Zeit möglich. Man unterscheidet 1) das zu Beginn und Ende eines jeden Tages stattfindende Opfer: agnihotra; 2) das Neu- und Vollmondopfer darsapurnamasa [dar'sap-ur.nam-asa], das vierzehntägig jeweils einen Tag nach Neu- bzw. Vollmond zu vollziehen war; 3) das im Frühjahr oder Herbst erfolgende Erstlingsopfer frischer Kornfrucht: agrayanesti [-agraya.ne.s.ti]; 4) die drei Tertialopfer caturmasya [c-aturm-asya] zu Beginn des Frühlings, der Regenzeit und der kühlen Zeit; 5) Tieropfer zu Beginn der beiden Solstitien; 6) Somaopfer zum Jahreswechsel. Daneben gab es zahlreiche aperiodische Opfer.


Gottheiten
Die Opfer sind an bestimmte Gottheiten gerichtet, doch darf man diese Tatsache nicht überschätzen. Die in mittel- und jungvedischer Zeit zunehmende Verschwommenheit der Götterpersönlichkeiten bringt es mit sich, dass bei einem Opfer oft nicht genau zu erkennen ist, wer es erhalten soll. Am meisten wird noch Indra als Empfänger von Opfern genannt; ihm gelten u. a. atiratra [atir-atra], mahavrata [mah-avrata] und sodasin [.so.da'sin]. Selbst der agnistoma [agni.s.toma] ist weniger an Agni, als vielmehr an Indra gerichtet. Gelegentlich erhalten auch personifizierte Opferutensilien wie barhis und samidh Gaben.


Priesterschaft
In der Priesterschaft der jungvedischen Zeit hatte eine weitgehende Funktionsteilung Platz gegriffen. Statt eines allgemeinen Priesterstandes, der einheitlich für das gesamte Ritual zuständig gewesen wäre, treten immer mehr Spezialpriester in Erscheinung. Die im Ritual tätigen Priester heissen rtvij [.rtvij]; ihre ursprüngliche Zahl betrug vier (AB VII, 16). Diese vier gelten nunmehr als Hauptpriester mahartvij. Ihre Namen sind hotr [hot.r], udgatr [udg-at.r], adhvaryu und brahman. Von diesen arbeitet der hotr mit dem Rgveda [.rgveda], der udgatr mit dem Samaveda [s-amaveda], der adhvaryu mit dem Yajurveda und der brahman mit der gesamten "dreifachen Wissenschaft" (tray-i vidy-a) (AB V, 32–33; KB VI, 10; SB XI, 5, 8, 1–7). Zu diesen Priestern gesellten sich im Laufe der Zeit immer weitere Hilfspriester. Im Somaopfer waren schliesslich 16 Priester tätig; bei den anderen Ritualgattungen war die Zahl geringer. Die Kausitakins hielten die Mitarbeit eines 17. Priesters, des sadasya, im Gegensatz zu anderen Schulen für erforderlich. Ein bestimmtes sattra kennt sogar 20 Priester (PB XXV, 14, 3).
Der hotr [hot.r] hat zu Gehilfen: den maitravaruna [maitr-avaru.na] (früher auch prasastr[pra's-ast.r] oder upavaktr [upavakt.r] genannt), den brahmanacchamsin [brahma.n-accha.msin], den acchavaka [acch-av-aka], den potr [pot.r], den nestr [ne.s.t.r] und den gravastut [gr-avastut]. Die Gehilfen des udgatr sind der prastotr [prastot.r], der pratihartr [pratihart.r], verschiedentlich kommt der subrahmanya [subrahma.nya] neben weiteren Hilfssängern (upag-at.r) hinzu. Der adhvaryu hat zu Gehilfen den pratiprasthatr [pratiprasth-at.r], den unnetr [unnet.r] und den agnidh [agn-idh] (= agn-idhra). Der brahman hat die Oberaufsicht über den gesamten Opfervorgang; bei vorkommenden Fehlern hat er entsprechende Sühnezeremonien einzuleiten.


Opferstätte
Benötigt wird ferner eine Opferstätte (devayajana);[3] als konkreter geometrischer Begriff heisst sie vedi. Ihre vier nach den Haupthimmelsrichtungen orientierten Ecken heissen srakti. Der Feueraltar im östlichen Teil der vedi führt den Namen uttaravedi. Die Erde, die man als Fundament der uttaravedi braucht, stammt aus einer Grube namens catvala [c-atv-ala]. Die Erdschollen werden mit einem Stampfgerät (vighana) zerbröckelt. Die Oberfläche der vedi wird mit Grasbüscheln (veda) gefegt und dann mit Opferstreu (barhis bzw. prastara) bedeckt.
Das rituell festgelegte Wandeln der Priester über die Opferstätte heisst samcara [sa.mcara]. tirtha [t-irtha] ist die Bezeichnung von Zugängen zum Opferplatz, so zwischen catvala [c-atv-ala] und utkara (SvB III, 1). Als Aufenthaltsort des Opferveranstalters dient die sala ['s-al-a], ein rechteckiger Schuppen, der mit Strohgeflecht gedeckt ist und im Westen des Opferplatzes steht. parivrta [pariv.rta] ist der Name der beiden Hütten für den Opferveranstalter und seine Gattin während der Weihe; sie liegen nördlich der sala ['s-al-a] mit der Türöffnung nach Osten. Die am Opferplatz selbst für die Frau des Opferherrn errichtete Hütte heisst speziell auch patnisala [patni's-al-a]. sadas ist der sechs von acht dhisnya[dhi.s.nya]-Feuerstätten (Herde) enthaltende Schuppen; bei jenen handelt es sich um kleine Nebenaltäre. Die übrigen dienen anderen Zwecken, so der marjaliya [m-arj-al-iya] genannte Aufwurf, auf dem die Opfergefässe gereinigt werden


Opferfeuer
Für das Opfer werden gewöhnlich drei Feuer errichtet: vihara [vih-ara]. Entzündet werden sie mit Reibhölzern arani [ara.n-i], von denen das untere aus sami['sam-i](Prosopis spicigera)-, das obere aus asvattha[a'svattha](Ficus religiosa)-Holz ist. Während ein Familienoberhaupt für das Grhya-Ritual nur ein einziges Hausfeuer braucht, werden für die grossen öffentlichen Opfer immer drei Feuer benötigt, die damit ein Kulturzentrum anzeigen (vgl. SB II, 1, 4, 4). Sie heissen ahavaniya [-ahavan-iya], garhapatya [g-arhapatya] und daksinagni [dak.si.n-agni] (= anv-ah-aryapacana) und gelten als Stätte der Götter bzw. der Menschen bzw. der Ahnen (TS I, 6, 7, 1). Der kreisförmige garhapatya [g-arhapatya] muss vor dem viereckigen ahavaniya [-ahavan-iya] angelegt werden (TB I, 1, 4, 4–6). Das eigentliche Opferfeuer ist gewöhnlich der ahavaniya [-ahavan-iya]. Das dritte Feuer ist von der Gestalt eines Halbmondes und liegt im Süden der Opferstätte; hier wird der Opferreis gekocht.
Das Opferfeuer wird mit Brennholz (samidh bzw. idhma) unterhalten. Geschürt wird es mit den dhavitra genannten Fächern aus Antilopenfell oder Leder.


Opfergefässe
Um die Opfersubstanzen zu bereiten, bedarf es zahlreicher Gefässe. Ein zusammenfassender Name der Opfergefässe ist patra [p-atra]; sie sind vielfach aus vikankata [vika·nkata] (Flacourtia sapida)-Holz gefertigt. Irden sind hingegen die kapala [kap-ala] genannten Tonschüsseln von Hufeisenform zur Darbringung der purodasa[puro.d-a'sa]-Kuchen. Irden ist auch die sthali [sth-al-i]. Diese Töpfe dienen hauptsächlich zum Kochen der Speisen für den diksita [d-ik.sita], den in der Weihe (d-ik.s-a) befindlichen Opferveranstalter (yajam-ana). mahavira [mah-av-ira] ist ein grosser irdener Topf zum Kochen der Milch in der pravargya-Zeremonie; gleichem Zweck dienen die gharma genannten Töpfe. Aus Holz sind die als camasa bezeichneten Gefässe, Becher und Trinkschalen für Wasser und soma; sie sind meist viereckig und aus nyagrodha (Ficus indica)-Holz. Als dronakalasa [dro.nakala'sa] bezeichnet man hölzerne Kufen oder Bottiche aus vikankata[vika·nkata]-Holz (s. o.). Sie dienen als Somabehälter. rauhinau [rauhi.nau] heissen die zwei flachen, runden Schüsseln, in denen beim pravargya Opferkuchen gebacken werden. Die Töpfe – so auch die irdene ukha [ukh-a] im pravargya – werden mit Holzzangen ('saphau) vom Feuer gehoben. parisasau [par-i's-asau](Dual) ist gleichfalls eine Art Zange, um im pravargya den Kessel vom gharma-Feuer zu heben.


Opferlöffel
So verschiedenartig wie die Gefässe sind auch die Opferlöffel. Der grösste Löffel heisst dhruva [dhruv-a]; er wird für Butterschmalzlibationen ajyabhaga [-ajyabh-aga] gebraucht. Die juhu [juh-u] ist ein zungenförmiger Löffel, mit dem man gleichfalls Butter ins Feuer träufelt. dhruva [dhruv-a], juhu [juh-u] und upabhrt [upabh.rt] bilden die Gruppe der sruc genannten Löffel. Sie dienen vorzugsweise zum Träufeln der zerlassenen Butter ins Opferfeuer, sind armlang, haben einen Schöpfer von der Grösse einer Hand und sind mit einer schnabelförmigen Giessöffnung versehen. Dagegen ist sruva der kleine Opferlöffel. Mit diesem füllt man ajya [-ajya] aus der sthali [sth-al-i] in den tatsächlichen Opferlöffel. pracarani [pracara.n-i] ist ein weiterer Opferlöffel, der die juhu [juh-u] im Somaritual ersetzen kann. Als Holzlöffel zum Umrühren von Mehl in kochendem Wasser dient das meksana [mek.sa.na], das vier Holzzinken als Greifzähne besitzt. Ein Schöpflöffel ist ferner die darvi [darv-i]. Aus khadira (Acacia catechu) ist der sruva, aus parna [par.na] (= pal-a'sa; Butea frondosa) die juhu [juh-u], aus asvattha [a'svattha] (Ficus religiosa) der upabhrt [upabh.rt, aus vikankata [vika·nkata (Flacourtia sapida) die dhruva [dhruv-a] (TS III, 5, 7, 3). Reste von Opfersubstanz an juhu [juh-u] oder upabhrt [upabh.rt heissen samsrava [sa.msr-ava / sa.msrava]; sie können zum Ausgangsobjekt eines Spezialopfers werden.


Opfergeräte beim Tieropfer
Eine beträchtliche Anzahl von Utensilien braucht man beim Tieropfer (pa'subandha). Ein Gurt (rasan-a) aus geflochtenem darbha-Gras dient zum Anbinden des Opfertiers, und zwar an einen Pfosten (y-upa), der die Grösse des Opferveranstalters hat. Der Pfosten wird von einem turban- oder kranzähnlichen Holzaufsatz (ca.s-ala) gekrönt. svaru sind bestimmte Späne des Pfahls, mit denen rituelle Handlungen vorgenommen werden. Die zerstückelten Teile des Opfertiers kommen in die samavattadhani [samavattadh-an-i , ein hölzernes, viereckiges Gefäss. Gebraten werden sie in einem samitra ['s-amitra] genannten Feuer an einem Bratspiess sula ['s-ula].


Opfergeräte beim Somaopfer
Wieder andere Opfergeräte werden im Somaopfer verwendet. Der in Pflanzengestalt gekaufte soma wird zunächst zum Pressen gefahren, und zwar auf dem hölzernen havirdhana[havirdh-ana]-Wagen. Zur Bereitung kommt der soma in eine Kufe (dh-i.sa.n-a bzw. ambh.r.na). Die Presssteine heissen gravan [gr-avan]. Nach den Brahmanas sollen es fünf sein, doch ist das aus technischen Gründen unwahrscheinlich, und Rgveda und Atharvaveda gebrauchen das Wort tatsächlich im Dual. Der untere, grössere Pressstein heisst drsad [d.r.sad], der obere upara. Gepresst wird auf einer Unterlage von zwei Brettern: adhisavana [adhi.sava.na]. Manchmal kommt dieses Wort auch im Dual vor und bedeutet dann offenbar selbst eine Somapresse. Gereinigt wird der gepresste Saft in einem Tongefäss, dem adhavaniya [-adhavan-iya], und zwar mittels mehrmaligen Seihens durch ein weisses Wollfilter (pavitra). Zur Reinigung von sura [sur-a] (Art Branntwein) in der sautramani[sautr-ama.n-i]-Zeremonie dient ein Bambusfilter (k-arotara). Der klare Somasaft kommt in ein putabhrt] [p-utabh.rt] genanntes tönernes Gefäss mit grosser Öffnung.


Rezitation und Gesang

sastra ['sastra]:

Zur Opferhandlung gehört jedoch neben den Opfergeräten und -substanzen auch das gesprochene bzw. gesungene Wort. Die Rezitation des hotr [hot.r] heisst sastra ['sastra], im Unterschied zum vorangegangenen stotra des udgatr [udg-at.r]. Im Somaopfer sind die sastras ['sastra] bei der Morgenpressung die vier ajyas [-ajya] und das praüga; bei der Mittagspressung das marutvatiya [marutvat-iya] und die vier niskevalyas [ni.skevalya]; bei der Abendpressung das vaisvadeva [vai'svadeva] und das agnimaruta [-agnim-aruta]. Insgesamt sind es also beim agnistoma [agni.s.toma], der Grundform der Somaopfer, zwölf sastras ['sastra].
Kurze, in die sastras eingefügte Anrufungen einer Gottheit heissen nivid. Manche nivid-Verse, die während der sastras ['sastra] der Morgenpressung rezitiert werden, führen die Bezeichnung puroruc ("voranleuchtend"). puronuvakya [puronuv-aky-a] heissen die Aufforderungen an einen Gott zur Teilnahme am Opfer. Der himkara [hi.mk-ara] ist die Einführung einer Litanei und besteht aus dreimaligem him [hi.m] in tiefer, brummender Lautgebung, gesprochen vom hotr [hot.r], bzw. aus hum [hu.m], dann vom udgatr [udg-at.r] gesprochen. Der zu Beginn des ersten sastra ['sastra] der Mittags- und Abendspende verwendete Vers heisst pratipad.
stotriya ist der Name einer Terzine, die am Anfang eines sastra ['sastra] rezitiert wird. Dem stotriya folgt die anurupa [anur-upa] genannte Antwortstrophe, die nach Metrum, Silbenzahl und angerufener Gottheit dem vorangegangenen stotriya entspricht.
Manche sastras haben einen paryasa [pary-asa] genannten Schlussteil, der durch den Schlussvers paridhaniya [paridh-an-iy-a] beendet wird.
durohana [duroha.na] ist die in bestimmter Weise vorgetragene siebenfache Rezitation eines Verses.
Das Anrufen einer Gottheit in verschiedenen Kasus – etwa des Agni als agne, agnau, agnina [agnin-a], agnim – heisst vibhakti.
Sprüche, bei deren Rezitation auf bestimmte Gegenstände geblickt werden muss, nennt man avakasa [avak-a'sa].
Vielfach kommen beim Rezitieren bestimmte Feinheiten zur Anwendung. Dazu gehört ein Schleifen ninarda des Tons. nyunkha [ny-u·nkha] ist die Ersetzung des Vokals der zweiten Silbe eines jeden Hemistichs durch den Vokal o.
Bestimmte Rezitationen werden im Flüsterton (japa) vorgetragen. Manche Sprüche sind überhaupt schweigend zu "rezitieren"; sie heissen tusnimsamsa [t-u.s.n-i.m'sa.msa]. Einen gleichen Effekt hat vagyamana [v-agyamana], das Anhalten der Stimme, d.h. das Schweigen des adhvaryu, brahman oder yajamana [yajam-ana] an bestimmten Stellen des Opfers.

Verschiedene Verse führen besondere Namen:
samidheni [s-amidhen-i] sind solche Verse, die auf das Anzünden des Brennholzes Bezug nehmen. Meist sind es 11, im Neu- und Vollmondopfer 15; durch Wiederholungen können sie bis auf 48 vermehrt werden.
yajya [y-ajy-a] heissen diejenigen Verse, die vom hotr [hot.r] im Augenblick der vom adhvaryu vollzogenen Opferung gesprochen werden. Sie signalisieren also die Opfergabe. anuvasatkara [anuva.sa.tk-ara] ist eine Formel, die der hotr [hot.r] während der svistakrt[svi.s.tak.rt]-Libation spricht; sie lautet vajinasyagne vihi [v-ajinasy-agne v-ihi] bzw. somasyagne vihi [somasy-agne v-ihi].
Wenn zum Ende des Neu- und Vollmondopfers prastara und paridhi weggeschleudert werden, spricht der hotr [hot.r] die Segensformel samyorvaka ['sa.myorv-aka]; bei der gleichen Gelegenheit rezitiert er die Gebetsformel suktavaka [s-uktav-aka], die beim Tieropfer vom maitravaruna [maitr-avaru.na] übernommen wird.
nigrabha [nigr-abha] ist der Name des Spruches, mit dem die Somapflanzen in die Presse gelegt werden.
Ein Lobgesang an die Presssteine heisst gravastotra [gr-avastotra].
agur [-agur] ist eine Responsorienformel als Präliminarie zur yajya [y-ajy-a].
Die Morgenpressung im Somaopfer beginnt mit der prataranuvaka [pr-ataranuv-aka] genannten Litanei.
mahaduktha ist eine Folge von 3 x 80 Terzinen, die der hotr zum Respons im mahavratasaman [mah-avratas-aman] beim gavam ayana [gav-am ayana] rezitiert.

vyahrti [vy-ah.rti]:
Ins Ritual eingestreut sind die vyahrti genannten, aus einzelnen kurzen Ausrufen bestehenden Formeln, wie bhur bhuvah svah [bh-ur bhuva.h sva.h] oder die fünf Formeln a sravaya [-a 'sr-avaya], astu srausat ['srau.sa.t], yaja, ye yajamahe [yaj-amahe] und vausat [vau.sa.t]. Diese werden vom adhvaryu oder zur Tilgung von Opferfehlern vom brahman gemurmelt. Später dienen solche Ausrufe – auch Silben wie etwa khat [kha.t] und phat [pha.t] – magischen Zwecken (TA III, 2 ff.). Opferrufe werden vielfach verwendet, so svaha [sv-ah-a] und vasat [va.sa.t] bzw. vausat [vau.sa.t].
Soweit nichts Gegenteiliges vermerkt wurde, fallen die vorerwähnten Rezitationen in den Bereich des hotr [hot.r]. Der adhvaryu hat dagegen die yajus-Formeln herzusagen. Gewisse, laut vorzutragende Formeln dieser Art heissen nigada. pratigara ist der Antwortruf des adhvaryu auf eine Rezitation des hotr; er lautet havai hotar, hoyi hotar oder einfach om.

stotra und saman [s-aman]:
So wie sastra ['sastra] die Rezitation des hotr [hot.r] bedeutet, ist stotra der (Trio-)Gesang des udgatr [udg-at.r] und seiner Gehilfen. Ein stotra besteht also aus einer bestimmten Anzahl Strophen (.rc), die nach einer Melodie (s-aman) gesungen werden. Im agnistoma [agni.s.toma] gibt es 12 stotras, im vajapeya [v-ajapeya] 17, in anderen Somaopfern bis zu 33.
Der Gesang des udgatr folgt der Somaschöpfung; danach finden die Rezitation der sastras ['sastra] und die Opferung (ty-aga) statt. Besonders bekannte stotras sind das bahispavamanastotra [bahi.spavam-anastotra] und das prsthastotra [p.r.s.thastotra].

stoma:
Die Art, wie ein stotra realiter ausgeführt wird, heisst stoma. Die Einteilung der stomas erfolgt nach der Verszahl. Die regulären stomas sind: trivrt [triv.rt], pancadasa [pañcada'sa], saptadasa [saptada'sa], ekavimsa [ekavi.m'sa], trinava [tri.nava], trayastrimsa [trayastri.m'sa], catuscatvarimsa [catu'scatv-ari.m'sa], astacatvarimsa [a.s.t-acatv-ari.m'sa]; es handelt sich also um stomas mit 9, 15, 17, 21, 25, 27, 33, 44 und 48 Versen.

vistuti [vi.s.tuti]:

Durch Wiederholungen der trcas [t.rca] (s. u. s-aman) kommt man auf die erforderliche Anzahl von stotra-Versen. Die Art dieser Wiederholungen heisst vistuti [vi.s.tuti] (PB II–III; SvB III, 2–6). So wird z.B. bei der ersten vistuti [vi.s.tuti] des trivrtstoma [triv.rtstoma] die erste stotriya [stotriy-a] (Lobpreisungsvers) einmal gesungen, die zweite dreimal, die dritte fünfmal, so dass als Schema entsteht:
a , b–b–b , c–c–c–c–c

stobha:
Häufig sind gesungene Interjektionen, genannt stobha; sie lauten etwa hum [hu.m], ho, oha [oh-a], hau[h-au], ihahayi [ih-ah-ayi].


Opfertypen
Es kann nunmehr zu einer kurzen Beschreibung der einzelnen Opfertypen übergegangen werden. Dabei sollen nacheinander die mit havis vorgenommenen Opfer (i.s.ti), das pasu[pa'su]-Ritual (Tieropfer) und die Somaopfer der verschiedenen Kategorien erörtert werden.

1 isti [i.s.ti]:
isti ist ein einfaches Opfer im Unterschied zum feierlicheren Tier- oder Somaopfer. Dargebracht wird havis: Milch, Butter und Kornfrüchte. Diese Opferkategorie wird daher auch als haviryajna [haviryajña] bezeichnet. Mitunter sieht man in der isti [i.s.ti] lediglich eine Kornfruchtspende, während die Begriffe ahuti [-ahuti] und homa Butterschmalzopfer darstellen. Die einzelnen homa-Substanzen sind ajya [-ajya], ghrta [gh.rta] und sarpis. Göttliche Personifikation des Milch- und Butteropfers ist Ida [i.d-a].

1.1 agnyadhana [agny-adh-ana]:
Die Reihe der haviryajnas [haviryajña] möge mit dem agnyadhana [agny-adheya] (agnyadheya) eröffnet werden. Dies ist die Errichtung des Opferfeuers eines jungen Hausherrn. Es dauert zwei Tage und erfordert die Mitwirkung von vier Priestern. Bringt die Zeremonie kein Glück, so kann sie wiederholt werden und heisst dann punaradheya [punar-adheya].

1.2 agnihotra:
Das häufigste Opfer des havis-Typs ist jedoch das agnihotra. Hierbei handelt es sich um die täglich zweimalige Milchlibation an das heilige Feuer. Das agnihotra gilt als unerlässlich und von kosmischer Bedeutung (SB II, 3, 2, 13. 3, 10; XI, 3, 1, 2–4).

1.3 darsapurnamasa [dar'sap-ur.nam-asa]:
Das Neu- und Vollmondopfer (dar'sapur.nam-asa) ist ein Opferfest anlässlich der lunaren Syzygien. Das Vollmondopfer ist ein Fest für Agnisoma [agn-i.soma], das Neumondopfer ein solches für Indragni [indr-agni]. Zu Beginn wird Agni in seine priesterlichen Funktionen berufen. Nach der Ablegung eines Fastengelübdes wird samnayya [s-a.mn-ayya], eine Mischung aus süsser und saurer Milch, dargebracht. Zum Backen der Opferkuchen und zum Reinigen dienen die pranitah[pra.n-it-a.h]-Wasser. Am Schluss spricht der hotr [hot.r] die Segensformel samyorvaka ['sa.myorv-aka].

1.4 caturmasyani [c-aturm-asy-ani]:
Die caturmasyani sind Tertialopfer, werden also jährlich dreimal dargebracht, und zwar zu Beginn von Frühling, Regenzeit und Herbst. Ihre Namen sind vaisvadeva [vai'svadeva], varunapraghasa [varu.napragh-asa] und sakamedha [s-akamedha]. Dazu kann als viertes Opfer zur symbolischen Aneignung des 13. (Schalt-)Monats das sunasiriya kommen. Das vaisvadeva [vai'svadeva] gilt den Allgöttern (vi'sve dev-a.h). Mit dem varunapraghasa will man Varunas Schlingen lösen. Hauptbestandteile des sakamedha sind das aus fünf Spenden bestehende mahahavis [mah-ahavis] und das dem Gott Rudra gewidmete Kuchenopfer (tryambaka).

1.5 Weitere istis [i.s.ti]:
Noch seien kurz einige weitere istis [i.s.ti] erwähnt. Die Feste der Erstlingsfrüchte heissen agrayanesti [-agraya.ne.s.ti] und teilen sich zeitlich nach den verschiedenen Fruchtgattungen ein:
So gibt es im Herbst die vrihisti [vr-ih-i.s.ti] (Reisopfer), im Frühling die yavesti [yave.s.ti] (Gerstenopfer). istis [i.s.ti] können auch Bestandteile von Somaopfern sein, so die diksaniyesti [d-ik.sa.n-iye.s.ti] anlässlich der Weihe (d-ik.s-a) des yajamana [yajam-ana], oder die Eingangsspende mit heisser Milch (pr-aya.n-iye.s.ti).
Zu den havis-Opfern wird auch der pindapitryajna [pi.n.dapit.ryajña], das Manenopfer, gerechnet. Drei Reismehlklösse (pi.n.da) werden den Vorfahren bis zum Urgrossvater geopfert.

2 pasubandha [pa'subandha]:
Die zweite grosse Kategorie von Opfern wird von den Tieropfern (pa'subandha) gebildet. Das Tieropfer muss schon in der Zeit des Entstehens unserer Quellen als von alters her überliefert betrachtet worden sein. Denn: die Essenz des Opfers war ursprünglich im Menschen; sie ging dann über in Pferd, Ochse, Schaf und Ziege, dann erst in den Reis, der früher nicht opferwürdig war (MS III, 10, 2; AB II, 8; SB I, 2, 3, 6; VI, 2, 2, 15). Als Opfertiere nahm man mit Vorliebe Ziegenböcke (AB II, 8, 5).
Das pasu[pa'su]-Ritual kann selbständig (nir-u.dha) oder Teil eines Somaopfers sein. Grundform der letzteren Gattung ist die ekadasini [ekada'sin-i], ein aus elf Stück bestehender Tieropferkomplex. Die vollständige Form eines Tieropfers im Rahmen des Somarituals heisst savaniyapasu [savan-iyapa'su].
Nach dem Anbinden (niyojana) des Opfertiers an den Opferpfosten (y-upa) wird ein Feuerbrand (paryagni) dreimal um das Tier herumgetragen. Das getötete Tier wird fünffach geteilt. Das erste abgeschnittene Stück, das gleich an den beiden Bratspiessen (vap-a'srapa.nyau) gebraten wird, heisst vapahuti [vap-ahuti].

3 kamyesti [k-amye.s.ti]:
Die noch kurz zu besprechenden Wunschopfer (k-amye.s.ti) kann man hier anschliessen. Sie sind natürlich im wesentlichen aperiodisch. Es ist nicht möglich, hier auch nur annähernd alle die tatsächlichen oder von den Rituallehrern konstruierten Wunschopfer aufzuzählen, da sie so gut wie alle Seiten des Lebens erfassen können. So bezweckt die samgrahani [s-a.mgraha.n-i], die Mitglieder einer Gentilgruppe unter der Autorität des Opferherrn zusammenzuschliessen; mitravinda [mitravind-a] ist eine kamyesti [k-amye.s.ti] zur Freundesgewinnung usw.

4 prayascitta [pr-aya'scitta]:
An das isti[i.s.ti]- und pasu[pa'su]-Ritual schliessen sich bestimmte Sühnezeremonien an, die als prayascitta zusammengefasst werden. Sie haben Opferfehler zu sühnen und sind vom brahman, mitunter vom adhvaryu, vorzunehmen. Eine besondere Sühne ist die sautramani [sautr-ama.n-i], die u. a. den Missbrauch von soma und sura [sur-a] sühnen soll. Als Mischopfer weist sie bereits Übergänge zum Somaritual auf.

5 Somaopfer:
Die Somaopfer, denen wir uns nun zuzuwenden haben, stellen den Höhepunkt des altindischen Rituals dar, nicht zuletzt deshalb, weil hierzu die grossen Opfer der Könige gehörten. Zweifellos fanden diese Zeremonien breites öffentliches Interesse, denn: »Wer beim Somafest Gaben empfängt und wer nicht (also Priester und Laien), beide kommen herzu; sie kommen, um jene Herrlichkeit anzuschauen« (SB II, 2, 3, 1).
Wie schon bemerkt, muss der soma zunächst in Pflanzengestalt gekauft werden; man gibt dafür gewöhnlich eine Kuh. Zuvor hat der Opferveranstalter (yajam-ana) einen Boten, den somapravaka [somaprav-aka], mit einer Einladung (somapravacana) an die für die Durchführung des Opfers vorgesehenen Priester entsandt. Diese vollziehen mit ihm eine Schwurhandlung (t-an-unaptra), worin sich die Partner zu gegenseitiger Treue verpflichten. Der Opferherr empfängt die Priester mit madhuparka, einem Gastgericht, wonach auch die gesamte Empfangszeremonie benannt ist.

diksa [d-ik.s-a]:
Vor dem Beginn des eigentlichen Opfers muss sich der yajamana [yajam-ana] einer Reihe von Observanzen unterziehen, die man man als diksa [d-ik.s-a] (Weihe) zusammenfasst. Die Weihe steht zur Askese (tapas) in Beziehung (TS III, 1, 1, 2; VS IV, 7); ihr Hauptelement ist Fasten (SB IX, 5, 1, 1, ff.). Mit ihrer Betonung von tapas und Fasten konnte die diksa [d-ik.s-a] durch Atemrestriktion und dadurch hervorgerufenen O2-Mangel Ekstase bzw. Versenkung hervorrufen. Dadurch wurde sie zum Vorläufer des Yoga. Die Feststellung, dass bei zu weit getriebener diksa [d-ik.s-a] die Atemkräfte schwinden, findet sich übrigens bereits in SB XIII, 1, 7, 2. Zur Weihe gehören ferner bestimmte Opfer, wie die diksahuti [d-ik.s-ahuti] genannten Butterlibationen.

upasad:
Auf die Weihe folgen die drei upasad-Tage. Der Sinn derselben ist wohl der, dass die symbolische Belagerung und Eroberung der drei Städte der Dämonen auf der Erde, in der Luft und im Himmel dem eigentlichen Opfer vorausgehen müssen, damit dasselbe ungestört vor sich gehen kann; vermutlich war dies die Widerspiegelung des Kampfes mit den vorarischen Einwohnern.

sutya [suty-a]:
Nach den insgesamt also vier Vorbereitungstagen folgt der eigentliche Tag der Somapressung (suty-a).
Das vedische Ritual kannte dreimalige tägliche Somapressung.[4] Sie führt den Namen savana und erfolgt morgens (pr-ata.hsavana), mittags (m-adhya.mdina savana) und abends (t.rt-iya savana):
Die Morgenpressung umfasst folgende liturgische Elemente: prataranuvaka [pr-ataranuv-aka], abhisava [abhi.sava], bahispavamanastotra [bahi.spavam-ana], savaniyapasu [savan-iyapa'su], dhisnyopasthana [dhi.s.nyopasth-ana], savaniyapurodasa [savan-iyapuro.d-a'sa], dvidevatyagraha, dvidevatyabhaksa [bhak.sa], rtuyaja [.rtuy-aja], ajyasastra [-ajya'sastra und praügasastra ['sastra]. Die einzelnen Somaschöpfungen heissen graha; ihre Namen sind hier: aindravayava [aindrav-ayava], maitravaruna [maitr-avaru.na], asvina [-a'svina], sukra ['sukra], manthin, agrayana [-agraya.na], ukthya, dhruva, rtugraha [.rtugraha], aindragna [aindr-agna], vaisvadeva [vai'sva] (VS VII, 1–34).
Für die Mittagspressung kennzeichnend sind das madhyamdinapavamanastotra [m-adhya.mdin-apavam-ana] und vier prsthastotras [p.r.s.tha], das marutvatiya[marutvat-iya]- und die vier niskevalyasastras[ni.skevalya'sastra], von denen drei auf die hotrakas entfallen. Die grahas heissen sukra ['sukra], manthin, agrayana [-agraya.na], (drei) marutvatiyas [marutvat-iya und ukthya.
Charakteristisch für die Abendpressung sind das arbhavapavamanastotra [-arbhavapavam-ana] und das yajnayajniya(saman) [yajñ-ayajñ-iyas-aman] sowie das vaisvadeva [vai'sva] und das agnimarutasastra [-agnim-aruta'sastra]. Die grahas heissen: aditya [-aditya], savitra [s-avitra], mahavaisvadeva [mah-avai'sva], patnivata [p-atn-ivata], hariyojana [h-ari].

Klassifizierung:
a) Die Zahl der sutya[suty-a]-Tage ist ein wesentliches Kriterium für die Klassifizierung der Somaopfer. Opfer mit einem einzigen Presstag heissen ekaha [ek-aha] (siehe 5.1); mit zwei bis zwölf Presstagen ahina [ah-ina] (siehe 5.2); mit zwölf und mehr Tagen sattra (siehe 5.3). Der zwölfte Tag ist also doppeldeutig, worauf noch eingegangen werden wird (siehe 5.3: dv-ada's-aha).
b) Weiter pflegt man die Somaopfer nach der Zahl der zu ihren sutya[suty-a-Tagen gehörenden stotras und sastras ['sastra] einzuteilen. Dadurch haben sich einige Grundformen (sa.msth-a) herausgebildet. Deren Namen sind: agnistoma [agni.s.toma] mit je 12 stotras und sastras ['sastra], atyagnistoma [atyagni.s.toma] mit je 13, ukthya mit 15, sodasin [.so.da'sin] mit 16, vajapeya [v-ajapeya] mit 17, atiratra [atir-atra] mit 29 und aptoryama [aptory-ama] mit je 33 stotras und sastras ['sastra]. Von diesen sind agnistoma [agni.s.toma] , ukthya, sodasin [.so.da'sin] und atiratra [atir-atra] die älteren und ursprünglichen.

5.1 ekahas [ek-aha]:
5.1.1 agnistoma [agni.s.toma]:
Die Grundform der ekahas [ek-aha] ist der agnistoma [agni.s.toma]. Er erfolgt einmal jährlich (SB X, 1, 5, 4); ein Darbringen von Somaopfern hat mit dem agnistoma zu beginnen (KB XVI, 9). Der agnistoma umfasst 190 stotriya[stotr-iy-a]-Verse, zu denen vier stomas – trivrt [triv.t], pancadasa [pañcada'sa], saptadasa [saptada'sa] und ekavimsa [ekavi.m'sa] – verwendet werden.

5.1.2 atyagnistoma [atyagni.s.toma]:
Der atyagnistoma [atyagni.s.toma] ist nur eine Abart des agnistoma [agni.s.toma] und entsteht u. a. durch Hinzufügung eines Tieropfers an Indra zuzüglich des im agnistoma für Agni vorgesehenen Ziegenbocks. ukthya erfordert zwei Ziegenböcke als Tieropfer. Der sodasin [.so.da'sin] beinhaltet zusätzlich ein Widderopfer an Indra, insgesamt also drei Opfertiere. Den Schluss der ursprünglichen samsthas [sa.msth-a] bildet der atiratra [atir-atra]. Es ist ein Fest für Indra, erfordert einen weiteren Ziegenbock und umfasst auch nächtliche Gesänge, Rezitationen und Somalibationen.

5.1.3 Weitere ekahas [ek-aha]:
Eine Anzahl weiterer, nicht selten auch kulturgeschichtlich bedeutsamer ekahas [ek-aha] soll hier nur genannt werden: apaciti, abhijit, ekatrika, gostoma [go.s.toma], gosava, tivrasut [t-ivrasut], visvajit [vi'svajit], vratyastoma [vr-atyastoma], syena ['syena], sarvajit.
sadyaskri [sadyaskr-i] ist ein ekaha [ek-aha] mit abgekürztem Verfahren: diksa [d-ik.s-a], upasad und sutya [suty-a] fallen auf einen Tag; Vortage zum eigentlichen Presstag gibt es hier also nicht mehr

5.2 ahinas [ah-ina]:
Damit wenden wir uns den ahinas [ah-ina] zu, den Somaopfern mit zwei bis zwölf Presstagen. Sie bestehen aus einer Anzahl von ekahas [ek-aha] und schliessen mit einem atiratra [atir-atra].
Ein bekanntes Zwei-Tage-Opfer (dvir-atra) heisst vyusti [vyu.s.ti] und besteht aus einem agnistoma [agni.s.toma] und einem atiratra [atir-atra]. Ein Drei-Tage-Opfer (trir-atra) setzt sich meistens aus einem agnistoma [agni.s.toma], einem ukthya und einem atiratra [atir-atra] zusammen.

5.2.1 asvamedha [a'svamedha]:
Nicht nur als ahina [ah-ina], sondern im Rahmen des altindischen Rituals überhaupt ragt das Rossopfer, der berühmte asvamedha [a'sva], hervor (SB XIII, 2, 2, 1). Dieses kulturgeschichtlich hochbedeutsame Opfer setzt sich aus 3 sutya[suty-a]-Tagen zusammen. In das Rossopfer sind indogermanische, paläoarktische, prototurkisch-mongolische und wohl auch südliche agrarmutterrechtliche Elemente eingeflossen. Durchgeführt wurde der asvamedha hauptsächlich nach grossen Eroberungen, die damals von der Kavallerie bzw. den Streitwagen abhingen. Der asvamedha ist der ins Opferwesen umgesetzte Reflex dieser Tatsache. Die Idee der "Weltherrschaft", des digvijaya, tritt gerade in Verbindung mit dem asvamedha auf (SB XIII, 4, 3, 15; AB VIII, 21). Wegen der Seltenheit seines Anlasses sowie wegen seiner besonderen Kompliziertheit und Kostspieligkeit wurde der asvamedha nur selten vollzogen. Listen der Könige, welche ihn durchgeführt hatten, enthalten AB VIII, 21–23; SB XIII, 5, 4, 1–23.

5.2.2 purusamedha [puru.samedha]:
Im Rahmen der ahinas [ah-ina] gehört das sog. Menschenopfer, der purusamedha [puru.sa], zu den Opfern mit fünf sutya[suty-a]-Tagen. Die Frage, ob die mittel- und jungvedische Zeit Menschenopfer gekannt habe, ist noch umstritten. Auffallend ist jedoch, dass die purusamedha-Abschnitte 184 Opfermenschen (VS XXX; TB III, 4, 1–19) bzw. 166 Opfermenschen (SB XIII, 6, 2, 1.12.19-20) fordern. Diese hohen Zahlen dürften jedenfalls für die jungvedische Zeit reine Symbolik und priesterliche Spekulation indizieren. Wichtig ist auch die Feststellung, dass im Ritual des purusamedha nicht etwa eine Speisezeremonie vorkommt. Schon deshalb kann der purusamedha kaum eine Reminiszenz an Kannibalismus oder Kopfjagd sein.

5.2.3 dvadasaha [dv-ada's-aha]:
Schliesslich nennen wir hier das Zwölf-Tage-Opfer, den dvadasaha [dv-ada's-aha]. Jeweils ein atiratra [atir-atra] eröffnet und schliesst ihn. Kernstück ist also eine Zehn-Tage-Periode (da's-aha). Innerhalb dieses dasaha unterscheidet man drei Phasen, nämlich die ersten sechs Tage, dann den siebenten bis neunten Tag als sog. chandoma-Tage, schliesslich den zehnten Tag als sog. avivakya[aviv-akya]-Tag. Der dvadasaha stand in sehr hohem Ansehen (TB I, 1, 6, 7. 9, 10); er galt als Heimat der Götter (PB X, 5, 15–16) und als vornehmstes Opfer (AB IV, 25, 6–7; vgl. TS VII, 2, 5, 2–3. 10, 4).
(Der dvadasaha – ahina [ah-ina] und Prototyp eines sattra: Siehe 5.3.)

5.3 sattra:
Der dvadasaha [dv-ada's-aha] kann als ahina [ah-ina] oder sattra aufgefasst werden, gilt aber gewöhnlich als Prototyp der sattras, der Opfersitzungen, die zwölf Tage und länger – bis zu Jahresfrist und mehr – währen können.
Grundelement der sattras ist ein sadaha [.sa.daha]. Es ist dies ein ritueller Zeitraum von sechs Tagen, die in doppelter Form auftreten können: als prsthya [pr.s.thya] und abhiplava sadaha. Im übrigen wird ein sattra von je einem atiratra [atir-atra] eröffnet und geschlossen.
Ein sattra ist gegenüber den anderen Somaopfern noch dadurch charakterisiert, dass jeder Teilnehmer die Funktion eines rtvij [.rtvij] ausführen können muss; es können also nur Brahmanen an einem sattra partizipieren.

5.3.1 gavam [gav-am] ayana:
Das bekannteste sattra ist das gavam [gav-am] ayana. Hier findet ein Jahr lang täglich sutya [suty-a] statt. Typisch ist u. a. die Begehung des visuvat [vi.suvat], des mittleren Tages, der also das Ritualjahr scheidet. Die jeweils drei Tage vor und nach dem visuvat-Tag heissen svarasaman [svaras-aman]. Der vierte Tag nach dem visuvat wird als visvajit [vi'svajit], ein ekaha [ek-aha], gefeiert. Am vorletzten Tag des gavam ayana erfolgt das mahavrata [mah-avrata], ein Opfer vom agnistoma[agni.s.toma]-Typ. Hauptteile des mahavrata sind das prsthastotra [p.r.s.thastotra], genannt mahavratasaman [mah-avratas-aman], und das niskevalyasastra [ni.skevalya'sastra], genannt mahaduktha. Die dazu gehörenden Verse wurden gesondert gesammelt und als besonders heilig angesehen; sie machen wesentliche Teile der Aranyakas aus. Der dem mahavrata zugrunde liegende volkstümliche Ritus eines Jahreszeitenfestes wurde so durch priesterliche Überformung zu einer Geheimlehre. Viele sattras sind kulturgeschichtlich von grossem Interesse; hier steht der Forschung noch ein weites Feld offen.

5.4 pravargya:
Eine Zusatzzeremonie zum Somaopfer ist der pravargya. Im Verlauf des pravargya, der gewöhnlich vor der upasad stattfindet, wird ein Kessel auf dem Opferfeuer glühend gemacht; in diesem Kessel wird dann Milch gekocht und den Asvinau geopfert. Im Laufe der Zeit gewann der pravargya weiter an Wichtigkeit und wurde mit immer mächtigeren Mysterien umgeben. Obwohl die Brahmanas andere Erklärungen geben, kann aufgrund der Quellenaussagen kein Zweifel darüber bestehen, dass es sich hier um einen Sonnenzauber handelt.

5.5 agnicayana:
Die Betrachtung des Somazeremoniells möge mit dem agnicayana abgeschlossen werden. Die agnicayana-Zeremonie war aus Gründen, die auszuführen hier aus Raumgründen nicht möglich ist, kein ursprünglicher Bestandteil des Somarituals und wurde erst später in dieses einbezogen. Seine Durchführung ist fakultativ, nach Ansicht einiger Autoritäten am mahavrata[mah-avrata]-Tag, also am vorletzten sutya[suty-a]-Tag des gavam [gav-am] ayana, jedoch obligatorisch. Wenn einmal vollzogen, kann das agnicayana allerdings höhere Bedeutung erlangen als das Somaopfer selbst (SB X, 1, 5, 4). Hauptinhalt der Zeremonie ist die Herstellung eines aus Backsteinen (und nur wenigen Natursteinen) gemauerten Feueraltars. Die Zahl der verwendeten Ziegel (i.s.taka) beläuft sich auf 10 800. Üblich ist es, dem Altar Vogelgestalt zu geben; mitunter wird er auch in der Form eines Dreiecks, Holztrogs oder Wagenrades angelegt (TS V, 4, 11, 1–3; KS XXI, 4; SB VI, 7, 2, 8). Verschiedene zum Bau benutzte Ziegel bzw. Ziegelgruppen führen eigene Namen, z.B. rtavya [.rtavy-a], yajusmati [yaju-smat-i], lokamprna [loka.mp.rn-a], logestaka [loge.s.tak-a], viraj [vir-aj], svayamatrnna [svayam-atr.n.n-a]. Höhepunkt ist eine Salbung des Opferherrn. Gelegentlich wird die Bedeutung dieser Salbung noch über die des rajasuya [r-ajas-uya] und des vajapeya [v-ajapeya] gestellt (SB IX, 3, 4, 7.9).

6 rajasuya [r-ajas-uya] und vajapeya [v-ajapeya]:
Ein überaus wichtiger Opferkomplex ist der anlässlich der Königsweihe durchgeführte rajasuya [r-ajas-uya]. Er umfasst isti[i.s.ti]-, pasu[pa'su]- und Somaopfer, u. a. vier ekahas [ek-aha] und einen ahina [ah-ina]. Höhepunkte sind die Inthronisation mit einem Würfelspiel, das der König zu gewinnen hat, und die Salbung abhisecaniya [abhi.secan-iya].

Ein weiteres grosses Königsopfer, verwandt mit dem rajasuya, ist der vajapeya [v-ajapeya], ein Ritus vom agnistoma[agni.s.toma]-Typ (siehe 5: Klassifizierung b). Hauptzeremonie ist ein Pferderennen, das der Opferherr zu gewinnen hat. Der adhvaryu erkennt in einer Ansprache den Opferveranstalter als Herrscher an, der für friedliches Leben und Gedeihen des Landes wirken soll.




Quelle: Klaus Mylius, Wörterbuch des altindischen Rituals, Wichtrach 1995. Internet-Adaption: Peter Thomi. © 2000–2001 by Institut für Indologie Wichtrach (Schweiz). mail@indologiewichtrach.ch




THEMENÜBERSICHT

Bestandteile des Opfers

Einteilung des Opfers

Gottheiten

Priesterschaft

Opferstätte

Opferfeuer

Opfergefässe

Opferlöffel

Opfergeräte beim Tieropfer

Opfergeräte beim Somaopfer

Rezitation und Gesang

sastra
vyahrti
stotra und saman
stoma
vistuti
stobha

Opfertypen
1 isti:

1.1 agnyadhana
1.2 agnihotra
1.3 darsapurnamasa
1.4 caturmasyani
1.5 Weitere istis
2 pasubandha
3 kamyesti
4 prayascitta
5 Somaopfer:

diksa
upasad
sutya
5.1 ekahas
5.1.1 agnistoma
5.1.2 atyagnistoma
5.1.3 Weitere ekahas
5.2 ahinas
5.2.1 asvamedha
5.2.2 purusamedha
5.2.3 dvadasaha
5.3 sattra
5.3.1 gavam
5.4 pravargya
5.5 agnicayana
6 rajasuya und vajapeya

APPENDIX                

A. Abkürzungen
B. Anmerkungen
C. Verzeichnis der
Sanskrit-Wörter