Klaus Mylius

Die altindische Metrik


Einführung

Wie wesentliche Teilgebiete der Indologie überhaupt, so erfuhr auch die Wissenschaft von der altindischen Metrik bereits im 19. Jh. ihre Grundlegung und Ausprägung. Schon im Jahre 1808 gab H. T. Colebrooke einen ersten Überblick von erstaunlicher Reichhaltigkeit.[1] Als Ersteinführung viel benutzt wurde später die wesentlich knappere, aber sehr instruktive Zusammenfassung von Th. Benfey aus dem Jahre 1853.[2] Die theoretische Erforschung der indischen, speziell der Sanskrit-Metrik – nur von dieser soll im folgenden die Rede sein – wurde 1863 von A. Weber in zwei umfangreichen Aufsätzen angebahnt.[3] Danach folgte die Zeit der Einzelstudien [4], von denen die wichtigsten weiter unten an der sie jeweils betreffenden Stelle genannt werden.
Aber im 20. Jh. liess die Beschäftigung mit den altindischen Metren – abgesehen von wenigen Aufsätzen in der Zeitschrift für Indologie und Iranistik und einigen indischen Arbeiten [5] – merklich nach. Auch in der Lehre büsste die Metrik den ihr zukommenden Platz ein, so dass in der Weitergabe indologischen Wissens bedrohliche Lücken auftraten. Wie ernsthaft solche Lücken zu beurteilen sind, ersieht man aus der unbestreitbaren Tatsache, dass für die Herstellung und für die Interpretation von Texten der Metrik grösste Bedeutung zukommt. Ohne metrische Kenntnisse wird man übrigens auch weder die Veden noch die episch-klassischen Dichtungen richtig rezitieren können. Dass die Metren schliesslich auch für die Erforschung sozialhistorischer und geistesgeschichtlicher Zusammenhänge relevant sind, wie A. Weber [6] und K. Mylius [7] gezeigt haben, sei hier nur am Rande erwähnt.
Die vorliegende Arbeit verfolgt somit einen doppelten Zweck: einmal soll der Stand unserer Kenntnisse gezeigt, zum anderen aber Indologen, Orientalisten überhaupt, sowie Sprach- und Literaturwissenschaftlern eine gedrängte, aber doch möglichst vollständige Einführung in die altindische Metrik vermittelt werden. Für die wichtigsten Metren werden Belegstellen aus der Literatur gegeben.

Die indischen Quellen über Metrik sind ziemlich zahlreich, wenn auch von unterschiedlichem Wert. Für die vedischen Metren nennen wir vorzugsweise Sankhayana-Srautasutra ['s-a·nkh-ayana'srautas-utra] VII, 27; Nidanasutra [nid-anas-utra] I, 1–7; Rkpratisakhya [.rkpr-ati's-akhya] und die Rganukramani [.rganukrama.n-i].
Den Übergang zur klassischen Metrik bildet das Chandahsutra [chanda.hs-utra] des Pingala [pi·ngala], auf das sich auch der die Metren betreffende Abschnitt des Agni-Purana [pur-a.na] stützt.
Wesentlich der Klassik gewidmet sind das 15. Kapitel des Bharatiya Natyasastra [bh-arat-iya n-a.tya's-astra], Kedarabhattas [ked-arabha.t.ta] Vrttaratnakara [v.rttaratn-akara], Hemacandras Chandonusasana [chanonu's-asana], Ksemendras [k.semendra] Suvrttatilaka [suv.rttatilaka], das 104. Kapitel von Varahamihiras [var-ahamihira] Brhatsamhita [b.rhatsa.mhit-a], Gangadasas [ga·ng-ad-asa] Chandomanjari [chandomañjar-i], Damodaras [d-amodara] Vanibhusana [v-a.nibh-u.sa.na], Virahankas [v-iraha·nka] Vrttajatisamuccaya [v.rttaj-ati], die Ratnamanjusa [ratnamañju.s-a] eines Digambara-Mönches u.a.m.

Bei der folgenden Charakterisierung der Grundprinzipien der indischen Metrik sind nachstehende Worte Oldenbergs sehr zu berücksichtigen: »... die Schärfe des Erklärens, an welche der griechische Metriker gewöhnt ist, hier erreichen zu wollen ... wäre ein schwerer Missgriff.« [8] Denn z. B. nach Satapatha-Brahmana ['satapathabr-ahma.na] VII, 1, 2, 22 darf ein Metrum ohne weiteres um ein bis zwei Silben differieren. In der Praxis wird eher Über- als Unterzähligkeit zugelassen. svaraj [svar-aj] ist der Gesamtname für Metren mit zwei überschüssigen Silben x + 2; so hätte eine entsprechende gayatri [g-ayatr-i] 8 + 8 + 10 = 26 Silben. Ein bhurij-Metrum hat eine überschüssige Silbe. nivrt [niv.rt] ist die Bezeichnung für Metren mit einer, viraj [vir-aj] (1) mit zwei fehlenden Silben.
Die wichtigste Unterscheidung ist die von langen und kurzen Silben. Je nach ihrem Vokal ist eine Silbe lang (guru) oder kurz (laghu). Ein kurzer Vokal erhält prosodische Länge vor anusvara [anusv-ara] und visarga oder vor einer Konsonantengruppe.



A. Vedische Metren [9]

Die vedischen Metren werden nur nach der Silbenzahl ihrer metrischen Glieder (pada [p-ada]), deren es drei bzw. vier gibt, bestimmt. Bei den ersten Silben eines pada bestehen Quantitätsvorschriften nicht, die letzten vier Silben aber sind bei Acht- und Zwölfsilbern jambisch, bei Elfsilbern trochäisch. Die Zählung der Metren beginnt mit dem 24-silbigen Versmass und steigt jeweils um vier Silben (sog. caturuttara-Reihenfolge).
Ausserhalb dieser Zählung stehen die – insgesamt unbedeutenden – viraj[vir-aj](2)-Metren mit zehn (oder einem Vielfachen von zehn Silben), so die dvipada viraj [dvipad-a vir-aj] (1) (12 + 8): RV VIII, 19, 27.

1. Die gayatri [g-ayatr-i] (24 Silben) umfasst drei padas [p-ada] zu je acht Silben, wobei die ersten beiden Glieder begrifflich und deklamatorisch enger verbunden und vom dritten Glied abgesetzt sind. Die vier letzten Silben der drei Glieder bilden gewöhnlich einen dipodischen Jambus (U – U –) . Die gayatri erscheint z. B. RV I, 1–9; IX, 6–59.
Hier kann man auch die caturvimsatika dvipada [caturvi.m'satik-a dvipad-a] anschliessen.
Eine defektive Abart [10] der gayatri heisst padanicrt [p-adanic.rt] (3 · 7): RV I, 17, 4–5. 30, 11.
Weitere Varietäten sind: atinicrt [atinic.rt] 7 + 6 + 7: RV VI, 45, 29; vardhamana [vardham-an-a] 6 + 7 + 8: RV VI, 16, 1.6; usniggarbha [u.s.niggarbh-a] 6 + 7 + 11: RV VIII, 25, 23; pratistha [prati.s.th-a] (1) 8 + 7 + 6: RV VIII, 11, 1; X, 9, 7. yavamadhya [yavamadhy-a] ist allgemein die Bezeichnung für ein Metrum mit einem längeren zwischen zwei kürzeren padas [p-ada] (Gegensatz: pipilikamadhya [pip-ilikamadhy-a], § 2), speziell aber auch eine Abart der gayatri 7 + 10 + 7: RV IX, 108, 13.

2. Das nächste Hauptmetrum ist die 28-silbige usnih [u.s.nih] 8 + 8 + 12. Auch hier sind die padas [p-ada] 1 und 2 enger verbunden: ebenso wird der pada-Schluss vorwiegend von einem dipodischen Jambus gebildet. Beispiel: RV I, 92, 13–18.
Die Varietäten der usnih sind meist Umstellungen des Grundmetrums, entfernen sich aber teilweise ziemlich weit von diesem. So hat die purausnih [purau.s.nih] die Silbenfolge 12 + 8 + 8: RV I, 23. 19; ferner nennen wir die kakubh i. e. S. 8 + 12 + 8: RV I, 120, 2; die kakubh nyankusira [nya·nku'sir-a] 11 + 12 + 4: RV VIII, 46, 15; schliesslich die tanusira [tanu'sir-a] 11 + 11 + 6: RV I, 120, 5. pipilikamadhya [pip-ilikamadhy-a] ist allgemein die Bezeichnung für ein Metrum.mit einem kürzeren zwischen zwei längeren padas (Gegensatz: yavamadhya [yavamadhy-a], § 1), speziell aber auch eine Abart der usnih 11 + 6 + 11: RV X, 105, 2.7.

3. Das nächste Hauptmetrum ist die 32-silbige anustubh [anu.s.tubh]. Sie besteht aus vier Füssen zu je acht Silben, zwischen den padas [p-ada] 2 und 3 liegt eine deutliche Trennung: 2 · 8 + 2 · 8. Auch hier bildet meist ein dipodischer Jambus den Schluss der padas. Beispiele: RV I, 10. 50, 10–13.
An defektiven Varietäten sind zu nennen: anustubgarbha [anu.s.tubgarbha] 1 · 5 + 3 · 8: RV I, 187, 1; kaviraj [kavir-aj] 9 + 12 + 9: RV I, 120, 3; und mahapadapankti [mah-apadapa·nkti] 4 · 5 + 1 · 11: RV IV, 10, 5. Weitere Abarten sind: die anustubh pipilikamadhya [anu.s.tubh pip-ilikamadhy-a] 12 + 8 + 12: RV IX, 110, 1–3; die nastarupi [na.s.tar-up-i] 9 + 13 + 10: RV I, 120, 4; schliesslich das im RV nicht vorkommende Metrum purastajjyotis [purast-ajjyotis] 8 + 12 + 12.

4. Das nunmehr folgende Hauptmetrum ist die 36-silbige brhati [b.rhat-i] 8 + 8 + 12 + 8; Beispiel: RV I, 170,1.
Eine defektive Abart ist die purastadbrhati [purast-adb.rhat-i] 11 + 3 · 8: RV X, 22, 1–4. Die skandhogrivi [skandhogr-iv-i] 8 + 12 + 8 + 8: RV I, 175, 1, deren Name von Kraustuki [krau.s.tuki] stammt, ist identisch mit der von Yaska [y-aska ] so genannten urobrhati [urob.rhat-i]: RV X, 85, 34, und der von Pingala [pi·ngala] benannten nyankusarini [nya·nkus-ari.n-i]: RV X, 93, 11. 132, 1. Weitere Abarten sind: vistarabrhati [vi.s.t-arab.rhat-i] 8 + 10 + 10 + 8: RV I, 120, 7; uparistadbrhati [upari.s.t-adb.rhat-i] 3 · 8 + 12: RV VII, 55, 2–4; und urdhvabrhati [-urdhvab.rhat-i] 2 · 12 + 1 · 12: RV IX, 110, 4–9.
Zweckmässigerweise kann hier gleich das gemischte Metrum pragatha [pr-ag-ath-a] erwähnt werden. Es umfasst jeweils zwei Strophen, deren erste eine brhati [b.rhat-i] oder eine kakubh ist, deren zweite aber von einer satobrhati [satob.rhat-i] (§ 5) gebildet wird. Für die Kombination brhati + satobrhati ist RV I, 47–48 ein Beispiel, für kakubh + satobrhati RV VIII, 19, 1–26.28–33.

5. Das nächste Hauptmetrum ist die 40-silbige pankti [pa·nkti] 5 · 8: RV I, 29.
Ihre wichtigste Variante ist die satobrhati [satob.rhat-i] 12 + 8 + 12 + 8: RV III, 23, 3. Deren Umkehrung ist die viparita [vipar-it-a] (Name!) mit der Reihenfolge 8 + 12 + 8 + 12: RV VIII, 46, 12. Weitere pankti-Varianten sind: die astarapankti [-ast-arapa·nkti] 2 · 8 + 2 · 12: RV VIII, 10, 4; X, 25; die prastarapankti [prast-arapa·nkti] 12 + 12 + 8 + 8: RV I, 88, 1.6; die spiegelsymmetrische samstarapankti [sa.mst-arapa·nkti] 12 + 8 + 8 + 12: RV VIII, 46, 22; und deren Umkehrung, die vistarapankti [vi.s.t-arapa·nkti] 8 + 12 + 12 + 8: RV X, 140, 1. 144, 6.Die viratsthana [vir-a.tsth-an-a] kann man als 9 + 9 + 10 + 11 oder 10 + 10 + 9 + 11 oder 4 · 10 auffassen: RV I, 89, 6, doch sind komplette Strophen selten. Die dvipada viraj [dvipad-a vi-raj] (2) hat nur zwei p-adas [p-ada] und folgt der Formel 2 · (4 · 5): RV I, 65, als aksarapankti [ak.sarapa·nkti] bezeichnet: RV X, 93, 9. An dieser Stelle kann man am besten die padapankti [padapa·nkti] anschliessen, eine unregelmässige Bildung mit 5 + 5 + 5 + 11 Silben: RV IV, 10, 1–3.

6. Nun folgt das 44-silbige Hauptmetrum, die tristubh [tri.s.tubh] [11] 4 · 11. Auch hier sind die padas [p-ada] 2 und 3 getrennt, aber den Schluss eines jeden Gliedes markiert ein Bacchius (U – –). Das Metrum umfasst also einen jambischen Aufstieg, eine daktylische Mitte und einen trochäischen Abstieg. Es ist das häufigste Versmass des RV (z. B. I, 63) und wurde, wie wir noch hören werden, auch zum Ausgangspunkt späterer, klassischer, Entwicklungslinien.
Die tristubh hat zahlreiche Varianten, wobei nicht immer klar zu entscheiden ist, ob sich diese tatsächlich aus der tristubh oder aus der satobrhati [satob.rhat-i] (§ 5) weitergebildet haben:
a) Defektiv sind: die nur aus einem pada [p-ada] bestehende ekapada tristubh [ekapad-a tri.s.tubh] 1 · 11: RV V, 41, 20; VI, 63, 11; die dvipada tristubh [dvipad-a tri.s.tubh] 2 · 11: RV X, 157; die tripada tristubh [tripad-a tri.s.tubh] 2 · 11 + 1 · 11: RV I. 1,49; die erste Form des madhyejyotis 11 + 8 + 11 + 11 oder 11 + 11 + 8 + 11: RV VIII, 10, 2. 22, 12. Schliesslich zählt hierzu die viradrupa [vir-a.dr-up-a] 3 · 11 + 7: RV I, 88. 5; lautet die Formel 3 · 11 + 8, so heisst das Metrum auch jyotismati [jyoti.smat-i].
b) Normale Abarten der tristubh sind: die zweite Form des madhyejyotis 12 + 8 + 12 + 12, die sich wohl aus der satobrhati [satob.rhat-i] (§ 5) entwickelt hat: RV VIII, 10, 2; das uparistajjyotis [upari.s.t-ajjyotis] 12 + 12 + 12 + 8: RV X, 140, 5. 150, 4–5; die abhisarini [abhis-ari.n-i] 10 + 10 + 12 + 12: RV X, 23, 5; die viratpurva [vir-a.tp-urv-a] (= panktyuttara [pa·nktyuttar-a]) 10 + 10 + 3 · 8: RV V, 86, 6; X, 59, 10; schliesslich die mahabrhati [mah-ab.rhat-i] 8 + 8 + 12 + 8 + 8: RV I, 105, 8. 191, 13; VI, 48, 7.

7. Mit der 48-silbigen jagati [jagat-i] schliesst die caturuttara-Reihe. Die padas [p-ada] 2 und 3 des aus 4 · 12 Silben bestehenden Metrums sind wieder voneinander getrennt. Die jagati setzt sich später in klassischen Metren fort (§ 32) . Beispiele: RV I, 55.64, 1–14. 112, 1–23.
Wichtigste Abart ist die mahapankti [mah-apa·nkti] 2 · 8 + 4 · 8: RV I, 191, 10–12; VIII, 39. Die mahasatobrhati [mah-asatob.rhat-i], die als erweiterte satobrhati [satob.rhat-i] (§ 5) zu deuten ist, folgt der Formel (12 + 8) + (12 + 8 + 8): RV VI, 48, 6.8.

8. Diejenigen Metren, deren Silbenzahl über die 48 der jagati [jagat-i] hinausgeht, führen die Sammelbezeichnung aticchandas. So umfasst die atijagati [atijagat-i] 4 · 13 Silben: RV IV, 1, 2; V, 41, 16–17; die sakvari ['sakvar-i] 4 · 14 Silben: RV X, 133, 1–3; die atisakvari [ati'sakvar-i] 4 · 15 Silben: RV I, 129, 8–9 bzw. die Bauweise (12 + 4)+ (12 + 4) + (12 + 8 + 8): RV II, 22, 2–3, die asti [a.s.ti] 4 · 16 Silben: RV I, 134, 6. 135, 7–8; die atyasti [atya.s.ti] 68 Silben von der Bauweise (12 + 12 + 8) + (8 + 8) + (12 + 8) RV I, 128; die dhrti [dh.rti] 4 · 18 Silben von der Bauweise (12 + 12 + 8) + (12 + 8) + (12 + 8): RV I, 133, 6; IV, 1,3. Längstes Metrum der Rksamhita [.rksa.mhit-a] ist die atidhrti [atidh.rti] mit 4 · 19 Silben und dem Bau (12 + 12 + 8) + (8 + 8) + (12 + 8 + 8): RV I, 127, 6. Die Metren krti [k.rti] 4 · 20, prakrti [prak.rti] 4 · 21, akrti [-ak.rti] 4 · 22, vikrti [vik.rti] 4 · 23, samkrti [sa.mk.rti] 4 · 24, abhikrti [abhik.rti] 4 · 25 und utkrti [utk.rti] 4 · 26 erscheinen nicht in der Rksamhita, werden aber im Rkpratisakhya [.rkpr-ati's-akhya] erwähnt. [12]



B. Klassische Metren

Vorbemerkungen

Die alte, immer wieder erörterte Streitfrage, ob es eine irgendwie geartete Kontinuität zwischen vedischer und klassischer Zeit gegeben habe, möchte ich, u. a. im Anschluss an die Arbeiten von Jacobi [13], wenigstens für den Bereich der Metrik positiv beantworten. Dies zeigt vor allem die tristubh [tri.s.tubh] (§ 6), die sich in klassischer Zeit zur indravajra [indravajr-a] (§ 31), upendravajra [upendravjr-a] (§ 31) und upajati [upaj-ati] (§31) entwickelt hat. Aus der jagati [jagat-i] (§ 7) bildeten sich vamsastha [va.m'sastha] (§ 32) und indravamsa [indrava.ms-a] (§ 32), während aus der anustubh [anu.s.tubh] (§ 3) das wichtigste klassische Metrum, der sloka ['sloka] (§ 18) wurde. Freilich gab es daneben in klassischer Zeit auch zahlreiche Neuschöpfungen von teils sehr verwickelter Konstruktion. Eine Übersicht über die geradezu massenhafte Zahl der Meltren dieser Epoche lässt sich nur bei äusserst präziser Klassifikation gewinnen. Hierbei folgt man am besten der Einteilung, die der altindische Metriker Pingala [pi·gala] gegeben hat. [14] Danach unterscheidet man:

I. ganachandas [ga.nachandas] (§§ 9–13). Die hierher gehörenden Metren werden nach Moren (matra [m-atr-a]) (1 More = 1 prosodisch kurze Silbe) und einer festen Anzahl von Füssen (gana [ga.na]) gemessen. Jeder Fuss umfasst vier Moren, kann also folgende Formen bilden: U U U U, – –, U – U, – U U, U U –.

II. matrachandas [m-atrachandas] (§§ 14–17). Diese Metren werden ebenfalls nach Moren gemessen, haben aber keine feste Zahl von Füssen. Hier wird von der Silbenzahl also vollständig abstrahiert; die Metrenbestimmung basiert ausschliesslich auf der Qualität.

Diese beiden Abteilungen (I & II) werden als jati [j-ati] zusammengefasst.

III. vrtta [v.rtta] oder aksarachandas [ak.sarachandas] (§§ 18–45). Diese Metren bestimmen sowohl die Zahl der Silben als auch die Qualität jeder einzelnen von ihnen. Dabei trifft man folgende Untergliederung: 1. visamavrtta [vi.samav.rtta] (§§ 18–22): Alle vier padas [p-ada] sind voneinander verschieden. 2. ardhasamavrtta [ardhasamav.rtta] (§§ 23–24): Die beiden Hemistiche sind gleich gebildet, die padas aber jeweils voneinander verschieden. 3. samavrtta [samav.rtta] (§§ 25–45): Alle vier padas sind von gleichem Bau. Silbenzahl und -qualität sind fest geregelt; es ist daher jeweils auch nur die Angabe eines einzigen pada erforderlich. Die indischen Metriker führen mehr als 150 Versmasse dieser Art auf.


I. ganachandas [ga.nachandas] [15]

9. Bei weitem das wichtigste ganachandas-Metrum ist die arya [-ary-a] (= gatha [g-ath-a]), die aus den Prakrts [pr-ak.rt] in das Sanskrit eingedrungen ist. In der Anlage entspricht sie dem vaitaliya [vait-al-iya] (§ 14), aus dem sie nach Jacobi hervorgegangen ist, weist daneben aber auch Einflüsse der tristubh [tri.s.tubh] (§ 6) auf. Die arya besteht aus zwei Teilen zu je zwei Gliedern. Dabei müssen das erste und dritte Glied je 12, das zweite Glied 18 und das 4. Glied 15 matras [m-atr-a] enthalten, so dass die erste "Hälfte" des Metrums 30, die zweite 27 matras umfasst. Ferner gilt die Einschränkung, dass der erste, dritte, fünfte und siebente Fuss nicht von einem Amphibrachys (U – U) gebildet werden dürfen. Die normale (pathya [pathy-a]) arya hat nach dem dritten caturmatra [caturm-atr-a] (= Fuss) eine Zäsur. Folgende Bildungen sind also möglich:

Erster Teil:
1
U U U U
– U U
U U –
– –

2
U U U U
– U U
U U –
– –
U – U
3
U U U U
– U U
U U –
– –


4
U U U U
– U U
U U –
– –
U – U
5
U U U U
– U U
U U –
– –

6
U U U U



U – U
7
U U U U
– U U
U U –
– –

8






Zweiter Teil:

ebenso, doch hat der sechste Fuss nur U.


Als konkretes Besipiel mögen zwei Verse des Sakuntala ['s-akuntala] dienen:

Sak 2:

– U U
– –
U U –

U – U
– –
U – U
– –

a
U U U U
U – U
– –
– –
– –
U
– –



Sak 3:

U U U U
U – U
– –

– U U
– –
U U U U
U U –

a
– –
U U U U
– –
U U –
U U –
U
U U –



lm arya[-ary-a]-Metrum sind ferner die gesamte Aryasaptasati [-ary-a'sapta'sat-i] des Govardhana sowie grosse Teile der Gesänge 1 bis 4 des Nalodaya gehalten.
Varianten der arya [-ary-a] sind die vipula[vipul-a]- und capala[capal-a]-Formen. vipula nennt man eine arya, die nach den ersten drei ganas [ga.na] keine Zäsur aufweist. Fehlt die Zäsur im ersten Hemistich, nennt man das Metrum adivipula [-adivipul-a], fehlt sie im zweiten, spricht man von einer antyavipula [antyavipul-a], fehlt sie in beiden Hemistichen, von einer ubhayavipula [ubhayavipul-a]. Eine capala [capal-a] dagegen verlangt an zweiter und vierter Stelle einen von Längen umgebenen Amphibrachys (U – U).

10. udgiti [udg-iti]: Dieses auch vigatha [vig-atha] genannte Metrum ist nichts anderes als eine umgestellte arya [-ary-a] (§ 9), indem hier der kürzere Teil vorausgeht. Das erste und dritte Glied haben je 12, das zweite l5 und das vierte 18 matras [m-atr-a]. Dieses Metrum bildet Vers 22 von Visvanathapancananas [vi'svan-athapañc-anana] Bhasapariccheda [bh-a.s-apariccheda].

11. giti [g-ti]: Dieses auch udgatha [udg-atha] genannte Metrum ist eine arya [-ary-a] (§ 9), deren zweiter Teil dem ersten gleicht, wo hinsichtlich des sechsten Fusses also keine Differenz besteht. Das erste und dritte Glied haben je 19, das zweite und vierte je 18 Moren. Beispiele: Bhasapariccheda [bh-a.s-apariccheda] 1.16–17; Acaranga [-ac-ar-a·nga] I, 8. Sutrakrtanga [s-utrak.rt-a·nga] I, 4.

12. upagiti [upag-iti] ist eine unbedeutende Variante mit je 12 Moren im ersten und dritten sowie 15 Moren im zweiten und vierten Glied.

13. aryagiti [-ary-ag-iti]: Dieses auch skandhaka genannte Metrum hat 12 matras [m-atr-a] im ersten und dritten sowie 20 im zweiten und vierten Glied; jede Hälfte enthält also acht caturmatras [caturm-atr-a]. Beispiel: Sisupalavadha ['si'sup-alavadha] IV, 51.

Weitere Modifikationen der arya [-ary-a] (§ 9) können wir hier übergehen.



II. matrachandas [m-atr-achandas]

14. vaitaliya [vait-al-iya]: Dieses möglicherweise aus der satobrhati [satob.rhat-i] (§ 5) entstandene Metrum besteht aus zwei Teilen zu je zwei padas [p-ada]. Die padas 1 und 3 umfassen je 14. die padas 2 und 4 je 16 Moren. Alle vier padas schliessen auf Amphimacer (– U –) + Jambus. ln seiner entwickelten Form lautet das Schema: U U – U U – U – U – | U U – – U U – U – U –.

Beispiele: Sak 52: Sis XVI, 41; Kir II, 1–56.
Das vaitaliya [vait-al-iya] hat eine grosse Zahl von Varietäten (s. auch § 15). So endet das apatalika [-apat-alika] auf Daktylus + Spondeus: – U U – –. Weitere Sonderfälle sind die verschiedentlich auch zu den vrttas [v.rtta] (§ 18–45) gezählten Metren viyogini [viyogin-i] (= sundari [sundar-i]) (§23) und aparavaktra [aparavaktr-a]. Letztere folgt dem Schema U U U U U U – U – U – | U U U U – U U – U – U –. Beispiele: Sak 90; Kir XVIII, 15.

15. aupacchandasika: Dieses auch vasantamalika [vasantam-alik-a] genannte Metrum entspricht fast vollständig dem vaitaliya [vaital-iy-a] (§ 14), nur wird am Schluss eines jeden pada [p-ada] eine Länge zugefügt, so dass die padas 16 + 18 + 16 + 18 matras [m-atr-a] umfassen. Das Schema ist somit: U U – U U – U – U – – | U U – – U U – U – U – –. Beispiele: Sak 77; Kir V, 17; XIII, 1–34; Sis IX, 83.85.
Weitere vaitaliya[vaital-iy-a]-Varianten – die Namen indizieren rein geographisch bedingte Besonderheiten – sind; pracyavrtti [pr-acyav.rtti], udicyavrtti [ud-icyav.rtti], magadhi [m-agadh-i] und pravrttaka [prav.rttaka]. Die Metren puspitagra [pu.spit-agr-a] und malabharini [m-alabh-ari.n-i] gelten verschiedenen Autoren a1s Sonderfälle des aupacchandasika; mehrfach werden sie aber auch unter den vrttas [v.rtta] (§ 18–45) aufgeführt, so die puspitagra [pu.spit-agr-a] unter den ardhasamavrttas [ardhasamav.rtta] (§ 23–24). Dieses letztgenannte Metrum hat die Struktur U U U U U U – U – U – – | U U U U – U U – U – U – X. Beispiele: Sak 32; Kir X, 1–62.

16. matrasamaka [m-atr-asamaka]: Diese Metrengruppe ist eine Weiterentwicklung des aupacchandasika (§ 15). Die Versmasse werden von 4 · 16 Moren konstituiert. Entsprechend den qualitativen Bedingungen unterscheidet man Metren wie vanavasika [v-anav-asik-a], citra [citr-a], upacitra [upacitr-a], visloka [vi'sloka] u. a. Die metrische Freiheit ist meist sehr gross; so gilt beim padakulaka [p-ad-akulaka] als einzige Forderung nur noch die nach 4 · 16 Moren; die gesamte sonstige Ausgestaltung ist beliebig. – Diese Metrengruppe erscheint u. a. verschiedentlich in der Vetalapancavimsatika [vet-alapañcavi.m'satik-a].

17. gityarya [g-ity-ary-a]: Dieses auch acaladhrti [acaladh.rti] genannte Metrum ist ein Tetrastich mit 16 kurzen Silben je pada [p-ada]. Daraus entwickelte sich die sikha ['sikh-a] mit 30 + 32 = 62 Moren. Zwei padas bestehen nur aus Längen; stehen sie voran, so spricht man von einer saumya [saumy-a]; ist dagegen der vordere Teil kürzer, so nennt man das Metrum jyotis.



III. vrtta [v.rtta]

1. visamavrtta [vi.samav.rtta] (siehe oben: B. Klassische Metren, Vorbemerkungen, III.):

18. sloka ['sloka] [17]: Die Stellung des sloka im metrischen System der Inder ist nicht gänzlich unumstritten: während ihn Kedara [ked-ara] im Vrttaratnakara [v.rttaratn-akara] zwischen vaitaliya [vait-al-iya] (§ 14) und matrasamaka [m-atr-asamaka] (§ 16) einschiebt, betrachten ihn die meisten alten (Pingala [pi·ngala]) und neueren Autoren (Jacobi) als visamavrtta [vi.samav.rtta]. Entstanden ist er aus der vedischen anustubh [anu.s.tubh] (§ 3) und umfasst wie diese 4 · 8 Silben; dagegen unterliegt er einer ganzen Anzahl von zusätzlichen Bestimmungen. Hinter der ersten Silbe eines pada [p-ada] darf weder ein Anapäst (U U –) noch ein Tribrachys (U U U) stehen. Der zweite und der vierte pada [p-ada] dürfen keinen Amphimacer (– U –) enthalten. Nach der vierten Silbe steht ein Bacchius (U – –). Der zweite Fuss darf nicht jambisch, der vierte muss es sein. In seiner allgemeinsten Form hat der sloka ['sloka] also folgende Struktur: -
Auch der sloka ['sloka] kennt mehrere vipula[vipul-a]-Formen, die auf direkte oder indirekte tristubh [tri.s.tubh] (§ 6) Einflüsse zurückzuführen sind. Sie betreffen den Versteil [B], der U – – X als Basistyp hat. Die erste vipula hat hier den Päon IV bzw. den Proceleusmaticus: U U U X, die zweite vipula den Choriambus bzw. den Päon I: – U U X, die dritte vipula den Dispondeus bzw. den Epitritus IV: – – – X,und die vierte vipula den Dichoreus bzw. den Epitritus II: – U – X. Der sloka ist das am häufigsten gebrauchte Metrum der Sanskrit-Literatur; in ihm sind grosse Teile der Epen, Puranas [pur-a.na] und Sastras ['s-astra] abgefasst; vgl. ferner Kir XI, 1–79; XV, 1–46.
Oldenberg hat ermittelt, dass die padas [p-ada] auch untereinander gewisse Beziehungen aufweisen; so wird es im Laufe der Zeit immer zwingender, dass [B] – U U X (zweite vipula [vipul-a]) oder – – – X (dritte vipula) vor sich [A] X – U – verlangt.

19. udgata [udgat-a] [18]: Die udgata umfasst 10 + 10 + 11 + 13 Silben in folgendem Schema: U U – U – U U U – U | U U U U U – U – U – || – U U U U U U – U U – | U U – U – U U U – U – U –. Beispiel: Kir XII, 1–53.
Die udgata [udgat-a] hat verschiedene Modifikationen. So wird beim lalita (nicht zu verwechseln mit der lalita [lalit-a], §§ 32 u. 36) im Auftakt des dritten pada [p-ada] die Länge in zwei Kürzen aufgelöst: U U U U U U U U – U U –.

20. padacatururdhva [padacatur-urdhva]: Die hierher gehörenden Metren bilden Strophen aus 8 + 12 + 16 + 20 (also entsprechend dem Namen jeweils um vier steigenden) Silben.
Stehen am Ende eines jeden pada [p-ada] zwei lange Silben, während die übrigen kurz sind, so heisst das Metrum apida [-ap-i.da]: U U U U U U – – | U U U U U U U U U U – – || U U U U U U U U U U U U U U – – | U U U U U U U U U U U U U U U U U U – –. Sind dagegen die beiden ersten Silben lang, so lautet der Name pratyapida [praty-ap-i.da]: – – U U U U U U | – – U U U U U U U U U U || – – U U U U U U U U U U U U U U | – – U U U U U U U U U U U U U U U U U U. Man unterscheidet noch weitere vier Arten, die uns aber im einzelnen nicht zu beschäftigen brauchen.

21. upasthitapracupita: Bei diesem Metrum mit der Silbenzahl 14 + 13 + 9 + 15 lautet das Schema: – – – U U – U – U – U U – – | U U – U U U U – U – U – – | U U U U U U U U – | U U U U U U U U U U – U U – –.
Verdoppelung des dritten pada [p-ada] U U U U U U U U – U U U U U U U U – ergibt das Metrum vardhamana [vardham-ana]; Umgestaltung des dritten pada in – – U U – U – U – führt zum suddhaviradrsabha ['suddhavir-a.d.r.sabha].

22. Weitere visama[vi.sama]-Typen sind: manjari [mañjari-i] mit 12 + 8 + 19 + 20, lavali [laval-i] mit 16 + 12 + 8 + 20 und amrtadhara [am.rtadh-ar-a] mit 20 + 12 + 16 + 8 Silben.


2. ardhasamavrtta [ardhasamav.rtta] (siehe oben: B. Klassische Metren, Vorbemerkungen, III.):

23. Wie schon erwähnt, wird die aparavaktra [aparavaktr-a] U U U U U U – U– U – | U U U U – U U – U – U –, auch als Modifikation des vaitaliya [vait-al-iya] (§ 14) gerechnet: Sak 90; Kir XVIII. 15. Gleiches gilt für die viyogini [viyogin-i] (= sundari [sundar-i]): – – U – – U U – U – | – – U – U U U – U U –, für die Kir II, 30 ein Beispiel liefert. Die ebenfalls mehrfach deutbare puspitagra [pu.spit-agr-a] wurde bereits im Zusammenhang mit dem aupacchandasika (§ 15) besprochen.

24. Einige weitere ardhasamavrttas [ardhasamav.rtta] sind upacitraka: U U – U U – U U – U – | – U U – U U – U U – –; vegavati [vegavat-i]: U U – U U – U U – – | – U U – U U – U U – –; yavamati [yavamat-i]: – U – U – U – U – U – U | U – U – U – U – U – U – –; drutamadhya [drutamadhy-a]: – U U – U U – U U – – | U U U U – U U – U U – –; harinapluta [hari.naplut-a] (2): U U – U U – U U – U – | U U U – U U – U U – U –; bhadraviraj [bhadravir-aj]: – – U U – U – U – – | – – – U U – U – U – –; ketumati [ketumat-i] U U – U – U U U – – | – U U – U – U U U – –; akhyanaki [-akhy-anak-i]: – – U – – U U – U – – | U – U – – U U – U – –. Eine blosse Inversion des letztgenannten Metrums ist die viparitakhyanaki [vipar-it-akhy-anak-i]: U – U – – U U – U – – | – – U – – U U – U – –.


3. samavrtta [samav.rtta] (siehe oben: B. Klassische Metren, Vorbemerkungen, III.)

Schrägstrich ( / ) bedeutet die von den indischen Metrikern an der betreffenden Stelle geforderte Zäsur.

25. Die ukta-Gruppe hat nur vier Silben (z. B. das Metrum sri ['sr-i]), die atyukta-Gruppe acht Si1ben (z.B. die stri [str-i] = kama [k-ama]), die madhya[madhy-a]-Gruppe zwölf Silben (z.B. die nari [n-ar-i] und priya [priy-a]), die pratistha[prati.s.th-a](2)-Gruppe 16 Silben (z. B. die kanya [kany-a]: – – – –), die supratistha[suprati.s.th-a]-Gruppe 20 Silben (z. B. die pankti [pa·nkti] = hamsa [ha.msa]: – U U – –). Alle diese Metren sind in der literarischen Praxis jedoch ohne grosse Bedeutung.

26. Die wesentlichen samavrttas [samav.rtta] setzen mit der gayatri[g-ayatr-i]-Gruppe ein, die, wie wir schon aus der vedischen Metrik wissen, 24 Silben aufweist (vgl. § 1). So hat die savitri [s-avitr-i] (= sesaraja ['se.sar-aja] = vidyullekha [vidyullekh-a]) sechs Längen; Beispiel: Kavyadarsa [k-avy-adar'sa] III, 86. Ferner sind zu nennen: tanumadhya [tanumadhy-a]: – – U U U –; somaraji [somar-aj-i]: U – / – U – –; sasivadana [s'a'sivadan-a] (1) (= mukulita [mukulit-a]) U U U U – –.

27. Die Metren der usnih[u.s.nih]-Gruppe haben 28 Si1ben (vgl. § 2). Wir nennen die kumaralalita [kum-aralalit-a]: U – U / U U – –; die madalekha [madalekh-a]: – – – / U U – –; und die madhumati [madhumat-i]: U U U U U / U –.

28. Die Metren der anustubh[anu.s.tubh]-Gruppe haben 32 Silben (vgl. § 3). Hier folgt die gajagati dem Schema U U U – / U U U –; die pramanika [prama.nik-a] hat U – U – / U – U –; die samanika [sam-anik-a] (= simhalila [si.mhal-il-a]) – U – U / – U – U. Ein reiner Choriambus ist das manavakakriditaka [m-a.navak-akr-i.ditaka]: – U U – / – U U –. Weiter sind zu nennen: die vidyunmala [vidyunm-al-a], ein spondeischer Dimeter: – – – – / – – – –; die citrapada [citrapad-a]: – U U – U U – –; die naracika [n-ar-acik-a]: – – U – U – U –; und das hamsaruta [ha.msaruta]: – – – U U U – –.

29. Die Metren der brhati[b.rhat-i]-Gruppe sind 36-silbig (vgl. § 4). Die wichtigsten sind: die bhrjagasisusrta [bh.rjaga'si'sus.rt-a]: U U U U U U – / – –; die bhujamgasamgata [bhuja.mgasa.mgat-a]: U U – / U – U – U –; die manimadhya [ma.nimadhy-a] (= simhakranta [si.mh-akr-ant-a]): – U U – – / – U U –; die bhadrika [bhadrik-a]: – U – U U U – U –; und die halamukhi [halamukh-i]: – U – / U U U U U –.

30. Bei den 40-silbigen pankti[pa·nkti]-Metren (vgl. § 5) nennen wir die tvaritagati (= amrtagati [am.rtagat-i]): U U U U – / U U U U –; die suddhaviraj ['suddhavir-aj]: – – – U U – U – U –; die kuvalayamala [kuvalayam-al-a] (= panava [pa.nava]): – – – / U U U U – – –; die rukmavati [rukmavat-i]: – U U – – / – U U – –; die matta [matt-a]: – – – – / U U U U – –; die upasthita [upasthit-a]: – – U U – U / U – U –; das ekarupa [ekar-upa]: U U – U U – U – U –; und die manorama [manor-am-a]: U U U – U / – U – U –. Drei Anapäste und eine Länge weist das meghavitana [meghavit-ana] auf: U U – U U – U U – –; während die mayurasarini [may-uras-ari.n-i] einfach aus fünf Trochäen besteht: – U – U – U – U – U.

31. Die Metren der tristubh[tri.s.tubh]-Gruppe umfassen 44 Silben (vgl. § 6). Die epische tristubh im engeren Sinne, nämlich die beiden folgenden Metren, endet in allen vier padas [p-ada] gewöhnlich auf einen Bacchius (U – –). Die indravajra [indravajr-a] hat – – U – – / U U – U – –; vgl. Sak 102; die upendravajra [upendravajr-a] U – U – – / U U – U – –. Die upajati [upaj-ati] ist eine verschiedenartige Mischung der beiden letztgenannten Metren; Beispiele: Sak 41; Kir III, 1–55; XVII, 1–59; sie kann aber auch eine Mischung von indravamsa [indrava.m's-a] (§ 32) und vamsastha [va.m'sastha] (§ 32) sein; Beispiel: Sis XII. 1. Ein weiteres wichtiges Metrum dieser Gruppe ist die raddhotata [raddhotat-a], die aus der manjuvadini [mañjuv-adin-i] (§ 33) durch Verkürzung entstanden ist: – U – U / U U – U – U –; Beipie1e: Sak 182; Kir V, 22; XIII, 35–70. Die svagata [sv-agat-a] lautet – U – / U U U – U U – –; Beispiel: Kir IX, 1–73. Ferner sind aus dieser Gruppe zu nennen: die bhramaravilasita [bhramaravilasit-a]: – – – – / U U U U U U –; Beispiel; Sis IV, 69; die salini ['s-alin-i]: – – – – / – U – – U – –; Beispiel; Kir V, 36; das dodhaka, ein daktylischer Tetrameter: – U U – U U / – U U – –; Beispiel: Sis IV, 45. Fünf Trochäen und eine Länge bilden die syeni ['syen-i] (= sreni ['sre.n-i]): – U – U – U – U – U –. Schliesslich erwähnen wir die vatormi [v-atorm-i] (= urmimala [-urmim-al-a]): – – – – / U U – – U – –; die vrnta [v.rnt-a]: U U U U U U U U – – –; die anavasita [anavasit-a] (= patita [patit-a] = manikyamala [m-a.nikyam-al-a]): U U U U – – / – U U – –; die kudmaladanti [ku.dmaladant-i] (= mauktikamala [mauktikam-al-a] = bhadrapada): – U U – – / U U U U – –; und die sumukhi [sumukh-i]: U U U U – / U U – U U –.

32. Die Versmasse der jagati[jagat-i]-Gruppe haben 48 Silben (vgl. § 7). Das Metrum vamsastha [va.m'sastha] (= vamsasthavila [va.m'sasthavila]) lautet U – U – – / U U – U – U –; Beispiele: Sak 18; Kir I, 1–44; Sis IX, 86. Ist die erste Silbe lang, heisst das Metrum indravamsa [indrava.m's-a]. Das drutavilambita (= ujjvala [ujjval-a] = harinipluta [hari.n-ipluta] im BharNat) beginnt mit drei Kürzen, hat danach zwei Daktylen und schliesst mit einem Amphimacer: U U U – / U U – U / U – U –; Beispiele: Sak 45; Kir V, 1–16.19.45.47– 48. Die jaloddhatagati hat den Amphibrachys und den Anapäst im Wechsel: U – U U U – / U – U U U –; Beispiele: Kir V, 27; Sis IV, 54. Aus vier Anapästen besteht das totaka [to.taka]: U U – U / U – U U / – U U –; Beispiel: Ragh VIII, 91. Vier Bacchien weist dagegen das bhujamgaprayata [bhuja.mgapray-ata] (= aprameya im BharNat) auf: U – – U – – / U – – U – –. Sechs Jamben umfasst die vibhavari [vibh-avar-i] (= pancacamara [pañcac-amara]; es gibt aber noch andere Metren dieses Namens): U – U – U – U – U – U –; vier Scolii bestimmen den Bau des mauktikadama [mauktikad-ama]: U – U U – U U – U U – U; vier Cretici den der sragvini [sragvi.n-i]: – U – – U – / – U – – U –. Die jaladharamala [jaladharam-al-a] lautet – – – – / U U U U – – – –; Beispiel: Kir V, 23. Die mandakini [mand-akin-i] (= cancalaksi [cañcal-ak.s-i] = gauri [gaur-i] (1) = prabha [prabh-a]) lautet U U U U U U – / U – – U –; Beispiele: Kir V, 21; Sis Vl, 67. Aus der vasantatilaka [vasantatilak-a] (§ 34) durch Verkürzung entstanden ist die pramitaksara [pramit-ak.sar-a]: U U – U – / U U U – U U –; Beispiele: Kir V, 20; VI, 1–45; Sis IX, 1–82. Von den zahlreichen sonst noch hierher zu zäh1enden Metren seien nur noch folgende kurz erwähnt: Die Struktur des tamarasa [t-amarasa] lautet U U U U – / U U – U U – –; die des candravartma – U – U / U U – U U U U –; der navamalini [navam-alin-i] U U U U – U – U / U U – –; der tati (= varatanu) U U U U – U / U – U – U –; der lalana [lalan-a] – U U – – / U U U U U U –; des sriputa ['sr-ipu.ta] U U U U U U – – / – U – –; des drutapada U U U – U / U U – U U – –; der lalita [lalit-a] (1) – – U – U U U – U – U –; des tata U U U U U U – – – – U –; der malati [m-alat-i] (= yamuna [yamun-a]) U U U U – / U U – U – U –; der manimala [ma.nim-al-a] – – U U – – / – – U U – – (ohne Zäsur heisst dieses Metrunn puspavicitra [pu.spavicitr-a]); der kusumavicitra [kusumavicitr-a] U U U U – – / U U U U – –; der kantotpida [k-antotp-i.d-a] – U U – – – U U – – – –; und der vaisvadevi [vai'svadev-i] – – – – – /– U – – U – –.

Alle von nun an folgenden Versmasse tragen den Sammelnamen aticchandas (vgl. § 8).

33. Die zunächst folgende atijagati[atijagat-i]-Gruppe umfasst die Metren mit 52 Silben (vgl. § 8). Die wichtigsten Einzelmetren sind hier folgende: die kutaja [ku.ta-ja] (= kalahamsa [kalaha.msa] = simhanada [si.mhan-ada]) hat U U – U – U U / U – U U – –; Beispiel; Sis VI, 73; die candrika [candrik-a] (= ksama [k.s-am-a] = utpalini [utpalin-i]) hat U U U U U U – / – U – – U –; Beispiel: Kir V, 18; die praharsini [prahar.si.n-i] (= mayurapiccha [may-urapiccha]) hat – – – / U U U U – U – U – –; Beispiele: Kir V, 26.34.39.50–51; VII, 1–39; Sis IX, 84. Dieses Metrum ist ebenso aus der jagati [jagat-i] (§ 7) entstanden wie die rucira [rucir-a] (= prabhavati [prabh-avat-i]): U – U – / U U U U – U – U – (Beispiele: Bhattikavya [bha.t.tik-avya] I, 1; Sak 199) und die laksmi [lak.sm-i]: – – U – / U U U U – U – U –. Der Ursprung des mattamayura [mattamay-ura]: – – – – / – U U – – U U – –, dürfte dagegen die salini ['s-alin-i] (§ 31) gewesen sein; Beispiele: Kir XVIII, 28; Sis IV, 44; VI, 76. Aus der lalita [lalit-a] (1) (§ 32) entstand unter Auflösung der ersten Silbe in zwei Kürzen die manjubhasini [mañjubh-a.si.n-i] (= kanakaprabha [kanakaprabh-a] = nandini [nandin-i] = prabodhita [prabodhit-a] = sunandini [sunandin-i]): U U – U – / U U U / – U – U –; Beispiel: Sis XIII, 1. Aus der lalita [lalit-a] (1) wurde auch die manjuvadini [mañjuv-adin-i] (= mandabhasini [mandabh-a.si.n-i]): U – U – – / U U U | – U – U – . Wir erwähnen ferner die gauri [gaur-i] (2): U U U U U U – / – U U U – –; die ihr verwandte kutilagati [ku.tilagati]: U U U U U U– / – U – – U –; und die candralekha [candralekh-a] (1): U U U U U – / – U – – U – –.

34. Die nun folgende sakvari['sakvar-i]-Gruppe umfasst die Metren mit 56 Silben (vgl. § 8). In erster Linie ist hier die aus der tristubh [tri.s.tubh] (§ 6) abgeleitete vasantatilaka [vasantatilak-a] (= uddharsini [uddhar.si.n-i] = simhoddhata [si.mhoddhat-a] = simhonnata [si.mhonnat-a]): – – U – U U U – / U U – U – –, zu nennen; Beispiele: Sak 8; Nit 2.15.20.26.38–39.49.58.64 –65.73.76.81.94.99–100; Kir V. 28–30.33.37.41–42.46.49; Rajat V, 15.304.378.480. Einige Bedeutung haben noch die manjari [mañjar-i] (= pathya [pathy-a] (2) ): U U – U – / U U U – U – – U –; Beispiel: Sis IV, 24; die pramada [pramad-a] (= kurariruta [kurar-irut-a]): U U U U – U / – U U U – U U –; Beispiel; Sis IV, 41; und die kutila [ku.til-a]: – – – – / U U U U U U / – – – –; Beispiel: Kir V, 31. Alle anderen sakvari['sakvar-i]-Metren spielen nur eine untergeordnete Rolle: die madhyaksama [madhyak.s-am-a] (= hamsasyeni [ha.msa'syen-i]): – – – – / U U U U U – / – – – –; die vasanti [vasant-i]: – – – – / – U U U U – / – – – –; die aparajita [apar-ajit-a]: U U U U U U – / U – U U – U –; die asambadha [asa.mb-adh-a]: – – – – – / U U U U U U – – –; die praharanakalika [prahara.nak-alik-a]: U U U U U U – / U U U U U U –; und die varasundari [varasundar-i] (= induvadana [induvadan-a]): – U U U – U U U – U U U – – . Die alola [alol-a] ist eine doppelt genommene madalekha [madalekh-a] (§ 27): – – – U U – – / – – – U U – –.

35. Nun folgt die atisakvari[ati'sakvar-i]-Gruppe mit den Metren zu 60 Silben (vgl. § 8). Hierher gehören mehrere Versmasse mit recht eigentümlichem Bau: die candravarta [candr-avart-a] (= sacikala ['sacikal-a]) mit 14 Kürzen und einer Länge: U U U U U U U / U U U U U U U –; die mala [m-al-a] von gleichem Bau, aber mit der Zäsur nicht nach der siebenten, sondern nach der sechsten Silbe; der manigunanikara [ma.nigu.nanikara], ebenfalls von gleichem Bau, aber mit der Zäsur nach der achten Silbe; die kamakrida [k-amakr-i.d-a] (= lilakhela [l-il-akhela]) mit 15 Längen. Die malini [m-alin-i] (im BharNat = nandimukhi [nand-imukh-i]) lautet U U U U U U – – / – U – – U – –; Beispiele: Ragh VI, 85; Sak 10; Kir V, 52; XVI, 62–63; Rajat V, 487. Noch zu nennen sind; die candralekha [candralekh-a] (2): – – – – U – – / – – U – – U – –; die atirekha [atirekh-a]: U U – U – / U U U U U U U U – –; das prabhadraka (= sukesara = sukhelaka): U U U U – U – U U U – U – U –; und das mrdangaka [m.rda·ngaka]: – – U – U U U – U U – U – U –.

36. 64 Silben umfassen die Metren der asti[a.s.ti]-Gruppe (vgl. § 8). In der Literatur spielen sie eine untergeordnete Rolle. Wir nennen hier: das rsabhagajavilasita [.r.sabhagajavilasita]: – U U – U – U / U U U U U U U U –; die sailasikha ['saila'sikh-a]: – U U – U / – U U U – U U – U U –; die varayuvati: – U U – U – U – – U / U U U U U –; das citra: – U – U – U – U / – U – U – U – –; das pancacamara [pañcac-amara]: U – U – U – U – / U – U – U – U –, das also aus acht Jamben besteht; und die vanini [v-a.nin-i] U U U U – U – U / U U – U – U – –. Bei der khagati (= sopanaka [sop-anaka]) folgt auf fünf Daktylen eine Länge: – U U – U U – U U – U U – U U –. Die lalita [lalit-a] (2) entstand aus der jaloddhatagati (§ 32) durch vorangesetzten Choriambus (– U U –): – U U – U – U U U – / U – U U U – .

37. Die Metren der atyasti[atya.s.ti]-Gruppe haben 68 Silben (vgl. § 8) und sind in der Literatur weit verbreitet. Am wichtigsten ist entschieden die mandakranta [mand-akr-ant-a], das Versmass von Kalidasas [k-alid-asa] Meghaduta [meghad-uta]; vgl. Kir V, 76; Sis IX, 87 (im BharNat sridhara ['sr-idhar-a] genannt); vermutlich aus der salini ['s-alin-i] (§ 31) und damit einer tristubh[tri.s.tubh]-Abart entstanden, umfasst sie vier Längen , fünf Kürzen, zwei Antibacchien (– – U) und einen Spondeus (– –): – – – – / U U U U U – / – U – – U – –. Verbreitet ist auch die sikharini ['sikhari.n-i]: U – – – – – / U U U U U – – U U U –; Beispiele: Sak 9; Kir XVIII, 45.47; Bhaminivilasa [bh-amin-ivil-asa] I, 2. Die harini [hari.n-i], eine Ableitung aus der mandakranta [mand-akr-ant-a] (oben), lautet U U U U U – / – – – – / U – U U – U –; Beispiele: Sak 66; Kir V, 481. Das vamsapatrapatita [va.m'sapatrapatita] folgt dem Schema – U U – U – U U U – / U U U U U U –; Beispiele: Kir V, 43; Sis IV, 67. Die prthvi [p.rthv-i] (= vilambitagati im BharNat) hat U – U U U – U – / U U U – U – – U –; Beispiele: Nit 46.68. Schliesslich erwähnen wir die citralekha [citralekh-a] (1) = atisayini [ati's-ayin-i]): U U – U U – U – U – / U U U – U – –; Beispiel: Sis VIII, 71; und das nardataka [narda.taka] (= avitatha): U U U U – U – U / U U – U U – U U –; Beispiel: Mal IX, 18.

38. Nun folgen die dhrti[dh.rti]-Metren mit 72 Silben (vgl. § 8); literarisch haben sie nur geringe Bedeutung. Die kusumitalatavellita [kusumitalat-avellit-a] entstand aus der vaisvadevi [vai'svadev-i] (§ 32) und lautet – – – – – / U U U U U – / – U – – U – –. Für das naraca [n-ar-aca]: U U U U U U – U / – – U – – / U – – U –, liefert Ragh XII, 104 ein Beispiel. Zu nennen sind sonst noch: die harinapluta [hari.naplut-a] (1): – – – U U – U – / U U – U – / U U – U –; die citralekha [citralekh-a] (2): – – – – / U U U U U U – / – U – – U – –; das nandana: U U U U – U – U U U – / U – U – – U –; das sardulalalita ['s-ard-ulalalita]: – – – U U – U – U U U – / – – U U U –; die vibudhapriya [vibudhapriy-a]: – U – U U – U – / U U – U U U – – U –; und die mahamalika [mah-am-alik-a] (= lalasa [l-alas-a] = lalasi [l-alas-i] = simhavikridita [si.mhavikr-i.dita]): U U U U U U – U – – / U – – U – – U –. Bei der asvagati [a'svagati] folgt auf fünf Daktylen ein Anapäst: – U U – U U – U U – U U – U U U U –.

39. Zur folgenden atidhrti[atidh.rti]-Gruppe mit jeweils 76 Silben (vgl. § 8) gehört vor allem das wichtige Metrum sardulavikridita ['s-ard-ulavikr-i.dita] mit der Reihenfolge Molossus, Anapäst, Amphimacer, Anapäst, zwei Antibacchien und einer Länge sowie mit Zäsur hinter der zwölften Silbe, also: – – – U U – U – U U U – / – – U – – U –; Beispiele: Sak 14; Nit 6.12–13; Rajat V, 1.190.380.477. Die vismita [vismit-a] (= suvrtta [suv.rtt-a] = candrakanta [candrak-ant-a] = meghavisphurjita [meghavisph-urjita]) ist aus der kusumitalatavellita [kusumitalat-avellit-a] (§ 38) durch Voranstellen einer Kürze hervorgegangen: U – – – – – / U U U U U – / – U – – U – –. Ein Beispiel für die sumadhura [sumadhur-a]: – – – – U – – / U U U U U – /– – U U U –, ist Mrcchakatika [m.rcchaka.tika] IX, 21.Sonst ist nur noch die surasa [suras-a]: – – – – U – – / U U U U U U – / – U U U –, zu nennen.

40. 80 Silben umfassen die krti[k.rti]-Metren (vgl. § 8). Die suvadana [suvadan-a]: – – – – U – – / U U U U U U – / – – U U U –, erscheint Mudraraksasa [mudr-ar-ak.sasa] IV, 16. Die gitika [g-itik-a] folgt dem Schema U U – U – / U U – U – U U / – U – U U – U –; während das vrtta [v.rtta] (= gandaka [ga.n.dak-a]) einfach aus zehn Trochäen besteht: – U – U – U – U – U – U – U – U – U – U.

41. In der prakrti[prak.rti]-Gruppe mit 84 Silben (vgl. § 8) ragt an literarischer Bedeutung die sragdhara [sragdhar-a] heraus, die eine Weiterbildung der mandakranta [mand-akr-ant-a] (§ 37) darstellt; das Metrum besteht aus Molossus, Amphimacer, Daktylus, Tribrachys und drei Bacchien; Zäsuren liegen nach der 7. und l4. Silbe; das Metrum ist also folgendermassen strukturiert: – – – – U – – / U U U U U U – / – U – – U – –. Beispiele: Sak 1; Nit 59-60.98. Die dhrtasri [dh.rta'sr-i] (= sasivadana ['sa'sivadan-a] (2) = pancakavali [pañcak-ava-li] = campakamalika [campakam-alik-a] = salilanidhi = sarasi [saras-i] = siddhaka) U U U U – U – / U U U – U U – / U U – U – U – erscheint Sis III, 82. Die mattavilasini [mattavil-asin-i] besteht aus sechs Daktylen und einem Amphimacer: – U U – U U – U U – U U – U U – U U – U – –.

Alle nun noch folgenden Gruppen haben literarisch wenig oder gar keine Bedeutung und sollen daher nur kurz gestreift werden:

42. In der akrti[-ak.rti]-Gruppe mit 88 Silben (vgl. § 8) entstand das madraka (= visuddhacarita [vi'suddhacarita]) aus der lalita [lalit-a] (2) (§ 36). Sein Schema lautet – U U – U – U U U – / U – U U U – U – U U U –; das der hamsi [ha.ms-i] – – – – – – – – / U U U U U U U U U U U U – –.

43. Bei den vikrti[vik.rti]-Metren mit 92 Silben (vgl. § 8) nennen wir die adritanaya [adritanay-a] (= asvalalita [a'svalalita]; doch gibt es noch andere Metren dieses Namens): U U U U – U – U U U – / U U – U U – U – U U U –; sowie die mattakrida [matt-akr-i.d-a]: – – – – – – – – / U U U U U U U U U U U U U U –.

44. In der nun folgenden samkrti[sa.mk.rti]-Gruppe mit 96 Silben (vgl. § 8) ist nur die tanvi [tanv-i]: – U U – – / U U U U U U – /– U U – U U U U U U – –, zu nennen; in der atikrti[atik.rti]-Gruppe mit 100 Silben nur die krauncapada [krauñcapad-a]: – U U – – / – U U – – / U U U U U U U U / U U U U U U –. Bei den utkrti[utk.rti]-Metren mit 104 Silben (vgl. § 8) genügt der Hinweis auf das bhujamgavijrmbhita [bhuja.mgavij.rmbhita]: – – – – – – – – / U U U U U U U U U U – / U – U U – U –, und das apavahaka [apav-ahaka]: – – – U U U U U U / U U U U U U / U U U U U U / U U – – –.

45. Für alle Metren von 27 + x Silben je pada [p-ada] lautet der Sammelname dandaka [da.n.daka]. Theoretisch können diese Strophen von 4 · 27 bis zu 4 · 999 Silben umfassen. Die literarisch bezeugte Wirklichkeit erreicht so hohe Zahlen nicht; dennoch mangelt es ihr keineswegs an üppiger Entfaltung. Das candavrstiprayata [ca.n.dav.r.s.tipray-ata] z. B. hat zu Beginn den zweifache Tribrachys und siebenmal den Amphimacer: U U U U U U – U – – U – – U – – U – – U – – U – – U –. Durch Vermehrung des letzteren bringen es die pracita-Metren auf 45 Silben je pada [p-ada]: simhavikranta [si.mhavikr.anta], kusumastavaka, anangasekhara [ana·nga'sekhara], samgrama [sa.mgr-ama]; vgl. Mal V, 23. Varahamihira [var-ahamihira] gibt das Beispiel eines aus 102 Silben (doppelter Tribrachys + 32facher Amphimacer) bestehenden pada [p-ada]!

Obwohl vorstehend eine möglichst geschlossene Darstellung angestrebt wurde, ist diese nicht mehr als ein Anfang und steht sozusagen noch in der Vorhalle der Wissenschaft. Denn es erhebt sich nunmehr die unabweisbare Fragestellung nach der Entwicklung, die die einzelnen Metren genommen haben, eine Frage, die bisher nur für tristubh [tri.s.tubh] und sloka ['sloka] einigermassen befriedigend beantwortet wurde. Noch fast gänzlich unbearbeitet ist ferner das Problem des Verhältnisses der Metren zu ihrem literarischen Inhalt. Wie verhalten sich die Versmasse zu den einzelnen Literaturgattungen, zu den rasas, zu den Gepflogenheiten bestimmter Autoren? Woraus resultiert beispielsweise die Dominanz des sloka ['sloka], warum schien Kalidasa [k-alid-asa] die mandakranta [mand-akr-ant-a] das geeignete Gewand für das Meghaduta [meghad-uta] zu sein? Die Beantwortung solcher Fragen erfordert nicht nur ästhetisch-literaturwissenschaftliche Analysen, sondern zunächst vor allem die Bereitstellung eines umfangreichen Ausgangsmaterials. Aber schon diese kann nicht mehr in die Kapazität und Kompetenz eines einzelnen Wissenschaftlers fallen. Um so mehr wird die Lösung der mit der indischen Metrik zusammenhängenden Grundprobleme erst durch die konzentrierte Arbeit eines internationalen Kollektivs von Indologen, evtl. unter Einsatz der elektronischen Datenverarbeitung, herbeigeführt werden können. sarvena sarvam apnoti [sarve.na sarvam -apnoti]!




Für das Internet überarbeitete Fassung des gleichnamigen Artikels in: Wissenschaftliche Zeitschrift der Karl-Marx-Universität Leipzig (Gesellschafts- u. Sprachwissenschaftliche Reihe), 24/2, 1975. © 2000 by Institut für Indologie Wichtrach (Schweiz). mail@indologiewichtrach.ch



ÜBERSICHT
Einführung

A. Vedische Metren

B. Klassische Metren:

I. ganachandas

II. matrachandas

III. vrtta:

1. visamavrtta
2. ardhasamavrtta
3. samavrtta

APPENDIX            
A. Abkürzungen
B. Anmerkungen
C. Register der Metren